Monatsarchiv: September 2024

Erinnerungskultur und kulturelle Vielfalt

„Kulturelle Vielfalt“ wünscht sich wohl jede Region und jeder Ort. In Metropolen, Groß- und Mittelstädten ist sie eine Selbestverständlichkeit, gleichwohl haben kleinere Orte mindestens in unserer Gegend die Bedeutung eines lebendigen kulturellen Lebens erkannt. Ein breites Angebot, häufig ehrenamtlich oder halbprofessionell, ist entstanden. Jeder in der Grafschaft kennt die renommierten Veranstaltungen und Angebote in Bad Bentheim wie die Freilichtbühne, Kulisse, mehrere Museen in der Stadt, natürlich die Musikakademie, Jazzkonzerte und Poetry Slam im Treff 10, Chorkonzerte, Filmclub und vieles mehr. Aus meiner Sicht waren die ganz neuen oder noch jungen Veranstaltungsformate während dieses Sommers im positiven Sinne bemerkenswert: Picknickjazzkonzerte am neuen Springbrunnen im Schlosspark, Poetry Slam ebenfalls an diesem schönen Ort und Konzerte am Kurhaus. Und sogar der Wochenmarkt wurde mit Musik -und Wein- bereichert. Toll auch der kommunikative Charakter dieser Angebote, die zudem kostenlos zu besuchen waren. Das sind gute Aussichten für die nächsten Jahre, sofern es gelingt, diese und weitere kulturelle Veranstaltungen in der Stadt zu erhalten und weiter zu entwickeln. Möglicherweise spielt dann endlich die Freilichtbühne als einmalig schöner Veranstaltungsort eine größere Rolle. Spielplan und Gastspiele lassen genug Raum für das Bespielen dieses Ortes mit Alleinstellungsmerkmal. Der neu gestaltete Prinzessinnengarten auf der Burg, ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, ist mit neuen Veranstaltungen ein positives Beispiel!

Eine herausragende Bereicherung ist das neue Literaturfestival „Wieder Worte“, das die Emsländische Landschaft zusammen mit den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim zur Zeit an vielen Orten in der Region durchführt. Divers in vielerlei Hinsicht, von den Zielgruppen bis zu den sorgfältig ausgewählten Veranstaltungsorten, wird das Festival hoffentlich für inspirierende Literaturerlebnisse sorgen. Auf der Webseite http://www.wiederworte.net kann man sich ausführlich informieren.

Beeindruckend war Samstagabend eine Lesung mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Eva-Maria Thüne in der Aula des Burggymnasiums. „Nur ein Koffer voller Heimat“ – Der Kindertransport 1938/39 war Thema ihres Berichts, der auf Interviews beruhte, die Prof. Thüne im Jahre 2017 mit Zeitzeugen, also den Kindern von 1938/39, führen konnte, die dem Nazi-Terror durch die Kindertransporte in den Westen, vornehmlich nach Großbritanien, entkommen konnten. Die mittlerweile betagten Geretteten beschrieben ihre Erinnerungen an Eltern und Geschwister, die sie nie wieder sahen, an die dramatische Reise und von ihrem Leben unter den Vorzeichen von Trauma und Rettung.

Die Züge gen Westen passierten den Grenzbahnhof Bentheim, wo sie letztmalig vor ihrer Rettung drangsaliert, schikaniert und ausgeraubt wurden. Es ist aus meiner Sicht sehr positiv, dass in letzter Zeit dank privaten Engagements besonders durch Herrn Wilhelm Hoon, an diese Begebenheiten und das Schicksal der Kinder und ihrer Familien erinnert wird. Ich finde es auch an der Zeit und begrüßenswert, dass die Bentheimer Eisenbahn diesen Aspekt ihrer Geschichte und die des Bentheimer Bahnhofs aufarbeitet und ein Erinnerungsort geschaffen werden soll.

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Zukunft Radverkehr! Gilt das auch für Bad Bentheim?

„Ein vergleichsweise gutes Rad- und Gehwegenetz ist bereits vorhanden. Es sind aber punktuelle Verbesserungen möglich und sinnvoll“, lesen wir in der Fortschreibung des „Stadtentwicklungskonzeptes Bad Bentheim 2035“ aus dem Jahr 2019. Und in den konkreten Zielen und Maßnahmen wird als Leuchtturmprojekt ein neu zu erstellendes Radwegekonzept aufgeführt. In der Tat wurden in den vergangenen Jahren einige wichtige Projekte für den verbesserten Radverkehr in unserer Stadt in Angriff genommen. Dazu gehört an erster Stelle der überfällige Ausbau der Gildehauser Straße zwischen Tennishalle und Tonino. Und auch für den immer wichtiger werdenden Radtourismus wurde beispielsweise mit der Einführung des Knotenpunktsystems die Basis verbessert.

Und das vom Stadtrat im Stadtentwicklungskonzept angeforderte Radwegekonzept? Es liegt jetzt vor, wird in der kommenden Woche präsentiert und lässt aus meiner Sicht auf 61 Seiten und mit 231 konkreten Maßnahmenvorschlägen wenige Fragen offen. Auf der Grundlage von Bestandserhebungen mit Analysen beispielsweise zum Unfallgeschehen, Verkehrszählungen und Bürgerbefragungen werden Handlungsbedarfe definiert. Es werden insgesamt 5 Pendlerrouten herausgearbeitet, dazu Basisrouten für den Schüler- und Einkaufsverkehr und ein Verdichtungsnetz zur Abrundung des Gesamtnetzes. Dazu werden die notwendigen Verbesserungen in der Infrastruktur von den Abstellanlagen bis zur Wegweisung genannt. Schon bei der ersten Sichtung lässt sich feststellen, dass die Einbindung des Planungsbüros VAR+ aus Darmstadt eine gute Wahl war und nunmehr eine Top-Basis für die Arbeit in den nächsten Jahren vorliegt.

Denn mit qualifizierten Konzepten allein kommt man nicht weiter, die Umsetzung muss in sichtbaren Teilschritten unverzüglich folgen! Die Verkehrswende, in der der Radverkehr eine nicht geringe Rolle spielen soll, muss gerade an der Basis, in den Kommunen vorankommen. Elektromobilität, ÖPNV mit reaktiviertem Schienenverkehr und eben das Radfahren sind dabei wichtige Elemente.

Nicht wenige Radaktivisten träumen auch in der Grafschaft von Radschnellwegen, wie sie an anderen Orten vorbildlich geschaffen wurden. Zwei wesentliche Hindernisse, oder sagen wir lieber „Herausforderungen“, sehe ich dabei:

  • Viele Radschnellwege verlaufen auf ehemaligen Bahntrassen. So zum Beispiel zwischen Ochtrup und Wettringen. Diese Strecke habe ich vergangene Woche mit Freunden befahren (siehe Foto) und wir waren davon sehr angetan. Wir verfügen in Bentheim zwar über eine geeignete Bahntrasse, nämlich zwischen Bahnhof Nord und Munitionsdepot. Diese wird aber hoffentlich im Verlauf der Verkehrswende noch eine wichtige Rolle spielen, nämlich als Strecke zur Anbindung des Bentheimer und Grafschafter Bahnnetzes an das Netz in NRW. Nach der Reaktivierung der Strecke Neuenhaus – Coevorden wird dieses Projekt hoffentlich endlich die volle Aufmerksamkeit der Politik, Verwaltung und Unternehmen finden. Eine Bahntrasse steht also nicht zur Verfügung und so müssen bei der Umsetzung von Pendlerstrecken realistischerweise Abstriche an den Qualitätsstandard „Fahrradschnellweg“ gemacht werden.
  • Der Ausbau der Radinfrastruktur wird teuer. Fördermittel müssen hierzu eingesetzt werden. Das wird einmal Zeit in Anspruch nehmen und vor allen Dingen stehen diese Verkehrsprojekte neben den herausfordernden Bildungs- und Sportprojekten in unserer Stadt. Schulneubauten bzw. Schulerweiterungen und Sporthallenbau sind die Stichworte. Der Stadtrat wird weiterhin Prioritätenlisten führen und Verkehrsprojekte im Sinne des Radverkehrskonzeptes einbauen müssen, wenn es nicht bei Absichtserklärungen bleiben soll. Respekt für unsere ehrenamtlichen Stadtratspolitiker, die viel Zeit, Kompetenzen und oft auch Geduld in diese Arbeit investieren. Und ob die Stadtverwaltung den Maßnahmenkatalog personell umsetzen kann?

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