Kaninchen können´s besser

Glückwunsch an die Freilichtbühne. Die Premiere heute Abend war aus meiner Sicht einen Riesenerfolg und sollte Auftakt für eine besonders erfolgreiche Spielzeit sein.

„Kaninchen können´s besser“, dazu brauchte es für die Premierenbesucher einiges Vertrauen in die Bühne, denn ein gänzlich unbekanntes Stück und dazu ein doppeldeutiger Titel sind nicht unbedingt ein Garant für einen Publikumserfolg. Der wird sich jedoch hoffentlich einstellen!  Der Auftakt war vielversprechend.

Das Stück mit tausend Missverständnissen und Verwechselungen ist kurzweilig, witzig und richtig gut besetzt. Ich habe mich auch darüber gefreut, dass nicht gesungen wird.

Kurzum mein Tipp für die kommenden lauen Samstagabende: Zur Freilichtbühne pilgern und einen schönen Theaterabend verleben.

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Sonntag ist Wahltag

„..Die Europäische Gemeinschaft….,ein sehr großer industrieller und landwirtschaftlicher Markt……hier war von der Vollbeschäftigung die Rede; es könnte auch die Rede sein von der Landwirtschaft, von der Energieversorgung, vom Umweltschutz, vom Ausbildungswesen, viele dieser Fragen können wir nur gemeinsam und gemeinschaftlich bewältigen….

Wir wollen weder eine Diktatur des Geldes, eine Diktatur der Reichen und der Rabiaten, noch wollen wir eine Diktatur einer kommunistischen Partei; Parteibürokratie. Sondern was wir brauchen ist ein Europa, in dem die Menschen frei sind, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, ein Europa, in dem soziale Gerechtigkeit herrscht, und da ist in manchen Teilen Europas noch vieles nachzuholen, und wir wollen ein Europa der Solidarität, wo einer dem anderen hilft, ein Land dem anderen hilft…..

…Ich denke mit dem Kopf und fühle vom Herzen her, daß nichts wichtiger ist als Gleichheit der Chancen für alle Menschen in Deutschland und in Europa! Und es ist besonders wichtig, überall Gleichheit der Chancen herzustellen für die Frauen…“

Helmut Schmidt sprach diese Sätze am Abend des 4. Mai 1979 auf dem Hamburger Gerhart Hauptmann Platz bei einer Wahlkampfveranstaltung vor der ersten Europawahl in jenem Jahr. Chancengleichheit und Solidarität, das sind nicht nur immer noch zentrale Themen in der Europapolitik, sondern unverändert erstrebenswerte Ziele, die es nunmehr gegen Nationalisten und Populisten durchzusetzen gilt.  Chancengleichheit und Solidarität, davon sind wir in wichtigen Teilbereichen immer noch viel zu weit entfernt. Man denke nur an die schlimme Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa, die natürlich auch uns angeht. Und dennoch gibt es für mich keine Alternativen zum Einsatz für diese Werte, keine Alternative zur europäischen Einigung und engen Zusammenarbeit der europäischen Demokraten. Die Vorgänge in Österreich und anderen Ländern mahnen ebenso wie die Rechten in Deutschland.

Es gibt keine Alternative zur Wahl einer demokratischen Partei am Sonntag!

(Das Redemanuskript kann nachgelesen werden auf der Homepage der Bundeskanzler Helmut Schmidt Stiftung und das Foto habe ich vor einigen Wochen eben dort im Pressehaus der ZEIT aufgenommen).

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Gold statt Schotter!

Und da ist sie wieder im Angebot der örtlichen Gärtnerei: Strauchrose „Bentheimer Gold“. Eine „reichblühende, farbintensive Beetrose mit breitbuschigen Wuchs und hoher Blattgesundheit. Benannt nach dem legendären Sandstein“. So wird die mit ADR prädikatisierte Rose von den Kordes Rosenschulen vermarktet.

Aus eigener Erfahrung eine sehr sehr empfehlenswerte Rose für Grafschafter und erst recht für Bentheimer Ziergärten und toll zu kombinieren mit beispielsweise Katzenminze. Und mit ganz geringem Pflegeaufwand auch eine Zierde für sonnige Vorgärten, die jetzt noch verschottert sind. „Rettet den Vorgarten“, an diese Aktion habe ich erst kürzlich in meinem Blog erinnert und auf die immer noch wachsende Zahl der toten, lebensfeindlichen Steinflächen und der dazu passenden Kunststoffzäune hingewiesen. Die Unsitte greift um sich, wird aber jetzt immer häufiger unterbunden. So ist die Verschotterung im neu entstehenden Baugebiet an der Suddendorfer Straße schlicht untersagt. Immerhin!

Schöner Aspekt der Strauchrose „Bentheimer Gold“ ist der Marketingeffekt, schließlich wird die Rose deutschlandweit vermarktet.

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Der Mai ist gekommen

„Freut euch des Lebens“, spielt die Bentheimer Stadtkapelle bei einem benachbarten Schützenoffizier als Maiständchen. Ein weiterer schöner Brauch ist ein Maiausflug ins frische Grüne. Was für die Arbeiterschaft bei der Einführung des Maifeiertags vor 100 Jahren ein Highlight im grauen Alltag gewesen sein mag, ist für den Grafschafter ein selbstverständliches Freizeitvergnügen. Gartenbesitzer können die Natur dazu vor der Terrassentür genießen. „Kinder weinen, Narren warten, Dumme wissen, Kleine meinen, Weise gehen in den Garten“, wusste schon Ringelnatz.

In diesem Sinne: Freut euch des Lebens, denn der Mai ist gekommen!

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Junge Kunst in alten Räumen

Ab heute gibt es einen weiteren guten Grund für den Besuch der Burg Bentheim: 57 junge Künstler verschiedener Kunsthochschulen stellen im Rahmen des Förderprojektes GOPEA genau 57 Werke aus. Damit sind die Ausstellungsräume im zweiten Stock des Marstalls zunächst bis zum 25. Mai wieder ein lohnendes Ziel für alle Kunstinteressierten.

Ruisdal hat mit  zeitgenössischen Malereien, Zeichnungen und Grafiken Gesellschaft bekommen. Schon längere Zeit standen die benachbarten Räume mit ihrem einmaligen Ambiente leer. Der überlegte Planungsprozess zur neuen Nutzung und das Warten zahlen sich nun mit einer spannenden Präsentation der ganz unterschiedlichen Arbeiten aus. Und nicht nur die Besucher profitieren davon, sondern vor allen Dingen auch die jungen Künstler, deren Werke innerhalb eines Förderkreises nach zwei Monaten versteigert werden. Ein tolles Förderkonzept!

Ein weiterer Gewinner neben den Künstlern, Kunstsammlern, Förderverein und Burg ist Bad Bentheim, das nunmehr neben dem Pankokmuseum, dem Museum am Herrenberg und anderen Einrichtungen einen weiteren anziehenden  Kulturort aufweisen kann.

Infos zum Kunstförderprojekt: http://www.gopea.de

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Herzlichen Glückwunsch SVB!

Der SV Bad Bentheim feiert in diesen Tagen und Wochen sein 125-jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch!

Bei einer offiziellen Feier am Montagabend im Vereinsheim, an der ich als Mitglied des Vereinsbeirats teilnehmen durfte, wurde von allen Festrednern die Bedeutung des Sports und der ehrenamtlichen Arbeit im Sportverein hervorgehoben. Stichworte sind Gesundheitsförderung, Kommunikation, Integration, gesellschaftlicher Zusammenhalt, soziales Lernen. Die Liste könnte leicht fortgeführt werden.

Optimistisch stimmt mich, dass der SVB (wie auch die übrigen Sportvereine in der Stadt)   wichtige Projekte in Angriff nimmt. Da ist zum Beispiel die Gymnastikhalle, in der besonders tagsüber für unsere Mitbürger mit viel Tagesfreizeit -gemeint sind Senioren jeden Alters- neue sportliche Angebote gemacht werden sollen. Auch die bessere Zusammenarbeit der Sportvereine wird diskutiert. Die schon bewährten Angebote laufen dabei weiter. Das sind gute Aussichten für den Sport und für alle Sporttreibenden in der Stadt!

Zum Jubiläum erscheint eine bebilderte Chronik. Aus meinem persönlichem Archiv steuere ich zum Jubiläum an dieser Stelle zwei Fotos bei: Die D-Jugend-Meistermannschaft der Spielzeit 1967/1968, aufgenommen auf dem Sportlatz an der Müst. Und eine weitere SVB-Meistermannschaft, nämlich die 3. Seniorenmannschaft ziemlich genau 20 Jahre später. Zwei Spieler gehörten übrigens beiden Teams an und einer der  Seniorenspieler spielt sogar heute noch eine tragende Rolle im Verein.

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Rettet den Vorgarten

In Grafschafter Gewerbegebieten wird es wohl demnächst einige Baumpflanzaktionen geben.  Stadtverwaltungen haben angekündigt, Gewerbebetriebe an ihre Verpflichtung zur Grundstücksbegrünung erinnern zu wollen. Eine gute Entwicklung, finde ich.

Aber wie sieht es eigentlich in unseren dörflichen und städtischen Wohngebieten mit der Grundstücksbegrünung aus? Schließlich sind auch hier Grundstückskäufer zumindest in den letzten Jahrzehnten  per Kaufvertrag verpflichtet worden, einheimische Gehölze zu pflanzen. Ein Blick in etliche Vorgärten bestätigt die Vermutung, dass sich eine wachsende Zahl der Anwohner wenig um diese Pflichten kümmert. Stattdessen steht ein (vermuteter) geringer Pflegeaufwand im Vordergrund. Anders lassen sich die  Kies- und Schotterflächen an den Häusern nicht erklären. Und als wäre die ökologisch katastrophale Verschotterung der Vorgärten  nicht ausreichend, werden auch noch Kunststoffzäune gezogen, wo vorher Hecken standen oder die nicht minder unansehnlichen Holzpalisadenzäune die Wohnviertel  unansehnlich „veredelten“. Inseln des Grauens sind für mich diese Grundstücke (siehe dazu die beiden Fotos) inmitten von Quartieren, die  überwiegend (noch) durch natürliche Grünflächen geprägt sind!

Schon vor Jahresfrist hat der „Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V.“ die Initiative „Rettet den Vorgarten“ ins Leben gerufen. Die Initiative soll dazu führen, dass Hausbesitzer den Wert der Fläche vor dem Gebäude für sie selbst, aber auch für die Nachbarschaft, die Atmosphäre  im direkten Lebensumfeld und das Stadtbild wieder schätzen lernen und mit Pflanzen gestalten wollen. Für mich gehören Rasenflächen, Bäume, Gehölze, Blühsträucher, Stauden und vieles mehr dazu, damit unsere Straßenzüge mit Grün lebendig und freundlich wirken.  Und natürlich bieten solche Gärten dringend benötigte Nahrung und wichtigen Lebensraum für Vögel und Insekten. Plastikzäune und Schotterflächen sind auch nicht in der Lage, Feinstaub zu binden, die Luft zu reinigen und Sauerstoff zu produzieren.

Nur auf Einsicht der Kies- und Zaunfans zu hoffen ist nicht ausreichend, um den Trend zu stoppen oder umzukehren. Gezielte Informationskampagnen, Öffentlichkeitsarbeit und konkrete Unterstützung bei der Planung und Umsetzung sind erforderlich. Die Kommunen beschreiten mit den eingangs beschriebenen Aktionen in Gewerbegebieten sicher den richtigen Weg. Und die Stadt Bad Bentheim wird mit Unterstützung der „Aktion Stadtgrün“ in den nächsten Jahren bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes –hier zwischen Kurbad und Stadt-  einen großen Schritt weiterkommen. Wir private Grundstücksbesitzer sind nicht weniger gefordert. Der Frühling steht vor der Tür.

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Auch wenns brennt: Männliche und weibliche Gefangene sind tunlichst getrennt zu halten!

Vor genau 119 Jahren, im Februar 1900, wurde das Amtsgericht in der Schüttorfer Straße nach gut zweijähriger Bauzeit in Betrieb genommen. Jeder Bentheimer kennt das markante Gebäude, das neben dem Gericht Wohnräume für den Amtsrichter sowie ein Gefängnis beherbergte.  Seit einigen wenigen Jahren erstrahlt das Gebäude als eines der gelungensten Beispiele für die Innenstadtsanierung im neuem Glanz. Wenig bekannt ist dagegen die Existenz des alten Amtsgerichts in der Wilhelmstraße, das bis 1900 in Betrieb war und ebenfalls ein Gefängnis aufwies. Und zu diesem Gefängnis gibt es Seltsames zu berichten.

Wilhelm Hagerott (sen.) ist es zu verdanken, das eine „Feuerordnung“ für das Gefängnis überliefert wurde. In seinem Beitrag „Über das Amtsgericht in Bentheim“ im Bentheimer Jahrbuch 1982 (Verlag Heimatverein der Grafschaft Bentheim e.V.)  werden die 13 Paragraphen der Feuerordnung zitiert, die am 18. Juni 1887 durch den Polizeidiener Deters „durch wörtliche Vorlesung“ bekannt gemacht wurden.

Diese Feuerordnung ist aus heutiger Sicht ein typisches Beispiel bürokratischen Ordnungswahns in einem  Obrigkeitsstaat. Natürlich kann man darüber kräftig schmunzeln und herzhaft lachen. Andererseits kann man in diesem Schriftstück auch einen Geist entdecken, der in die großen Katastrophen des anbrechenden Jahrhunderts mündete. Hier ist die Bentheimer Feuerordnung, die „Instruktion für die Gefängnisbeamten beim Ausbruch eines Feuers“:

§ 1

Bei Ausbruch eines Feuers im Gefängnis oder in gefährlicher Nähe desselben begeben sich der Gefängnisvorsteher und der Inspektor in das Gefängnis.

§ 2

Bis zur Ankunft der in §1 benannten Beamten hat der Gefangenenaufseher die nach Lage der Sache gebotenen Anordnungen zu treffen, insbesondere an die anwesenden Gendarmen und Polizeidiener das Ersuchen um Sicherung und Bewachung der Gefangenen zu richten.

§ 3

Der Gefangenenauffseher hat den in § 1 benannten Beamten von dem Ausbruch des Feuers durch zuverlässige Personen sofort Anzeige zu erstatten und das Königliche Landratsamt sowie die Feuerwehr z.H. des Magistrats zu benachrichtigen.

§ 4

Die Gefängnisbeamten dürfen das Gefängnis bzw. den Brandplatz nur mit Genehmigung des die Leitung habenden Gefängnisbeamten wieder zu verlassen.

§ 5

Die Gefängnisbeamten haben zwar die Löschung eines ausbrechenden Feuers bis zur Ankunft der Feuerwehr mit allen Kräften zu versuchen, hauptsächlich aber die Gefangenen zu sichern und zu bewachen.

§ 6

Bei Gefahr ist der Verschluß der Zellen lediglich durch die Querstange herzustellen, so daß die Riegel zurückgezogen sind. Der Gefangenenaufseher darf sich alsdann von dem Korridor vor den Zellen nicht entfernen.

§ 7

Die Gefangenen sind in den Spazierhof zu führen, sobald das Hauptgebäude oder ein Nachbarhaus brennt; brennt das mit dem Spazierhof zusammenhängende Nebengebäude (Scheune), so sind die Gefangenen in Zelle 1, welche im Erdgeschosse des Hauptgebäudesbelegen, unterzubringen. Genügt das nicht, so erfolgt die Überführung in die Detensionszelle und verfügbare Räume des städtischen Rathauses.

§ 8

Der Gefangeneaufseher hat die Überführung der Gefangenen in den Spazierhof bzw. nach Zelle 1 tunlichst paarweise zu bewirken, indem er in der Mitte geht und bei Fluchtverdächtigen die leicht zu handhabende Handfessel (nicht Handschellen, deren längere Zeit beanspruchen würde) anlegt. Bei der Überführung in das Rathaus bleibt der Gefangeneaufseher bei den noch nicht transportierten Gefangenen zurück, während der Transport selbst durch die Gendarmerie und den Polizeidiener auf sein Ersuchen zu bewirken ist. Der Transporteur hat ebenfalls in der Regel nur 2 Gefangene auf einmal wegzuführen und einem zuverlässigen Wächter, wenn möglich einem Polizeibeamten, bis zur Ankunft des Gefangenenaufsehers zu übergeben.

§ 9

Strafgefangne und Untersuchungsgefangene, Mitschuldige, männliche und weibliche Gefangene sind tunlichst getrennt zu halten.

§ 10

Strafgefangene, welche nicht fluchtverdächtig sind, können zu den Löschungs- und Rettungsarbeiten, so lange die Feuerwehr fehlt, herangezogen werden.

§ 11

Nicht fluchtverdächtige Strafgefangene können, wenn die Bewachung und Festhaltung sämtlicher Gefangenen auf bedeutende Schwierigkeiten stößt, mit der Weisung einstweilen entlassen werden, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt zur weiteren Strafverbßung wieder zu stellen.

§ 12

Nach Rettung und Sicherung der Gefangenen ist auf Rettung der ihnen gehörenden Sachen und des Gefängnisinventars Bedacht zu nehmen.

§ 13

Beim Ausbruch eines nahen Gewitters finden die vorstehenden Bestimmungen entsprechende Anwendung. Während des Gewitters bei nacht sind die Gefangenen zu wecken, sie haben sich anzukleiden und dürfen sich erst nach beendigung des Gewitters auf Anordnung des Aufsehers wieder zur Ruhe legen.

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Die Bentheimer Jugendzentrumsbewegung vor 45 Jahren-Ein Rückblick

Das Unabhängige Jugendhaus feiert in diesen Wochen sein 40jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch! Die Voraussetzungen für die offene Jugendarbeit sind heute besser denn je. Der Treff 10 in der Kirchstraße bietet sehr gut geeignete Räume mit einem Veranstaltungssaal, die Stadt stellt Fachpersonal. Neben der offenen Jugendarbeit haben sich Arbeitsschwerpunkte unter anderem mit der Jugendkulturarbeit (Konzertinitiative Alternation) und der Flüchtlingshilfe entwickelt. Das sind gute Aussichten für die offene Jugendarbeit in Bad Bentheim!

Zurecht feiert der Verein mit dem Gründungsjahr 1978 sein Jubiläum. Der Ruf nach einem Jugendzentrum wurde jedoch schon einige Jahre vorher laut, nämlich ab  1972. Über diese Entwicklungen möchte ich gerne in einem ersten Teil „Die Jugendzentrumsbewegung in Bentheim“ berichten. Im zweiten Teil soll dann der Neustart des Jugendhauses in der Framnziskkusstraße ab 1981 näher beleuchtet werden. Zu beiden Aspekten kann ich aus eigenem Erleben berichten.

Die Jugendzentrumsbewegung in Bentheim

Im Anschluss an die bekannte und oft zitierte 68er-Bewegung entstanden zu Beginn der 1970er-Jahre bundesweit ganz unterschiedliche soziale Bewegungen wie die Dritte-Welt-, Hausbesetzer- und eben auch die Jugendzentrumsbewegung. In der Grafschaft formierten sich die Jugendinitiative Nordhorn (JINOH), in Schüttorf die JISCH und bei uns in Bentheim zunächst der Stadtjugendring als Zusammenschluss verschiedener Jugendorganisationen. Mit dessen Gründung am 1. Juni 1972  wurde das Ziel verfolgt, „Jugendarbeit in Bentheim zu ermöglichen und die Forderung nach einem freien Jugendzentrum durchzusetzen“. Die Stadt stellte tatsächlich zunächst einen kleinen Raum im alten evangelischen Kindergarten zur Verfügung und versprach eine weitergehende Lösung mit dem Mühlenstumpf in der Mühlenstraße neben der Jugendherberge. Der alte Kindergarten  entwickelte sich vor dem Abriss und Neubau der Orientierungsstufe (heute Realschule) tatsächlich zu einem Treffpunkt. Etwa 20 bis 30 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren saß dort regelmäßig in großer Runde beisammen und diskutierten. Ein großer Diskussionskreis als Samstagabendvergnügen! Es wurde Bier getrunken, nach meiner Erinnerung in Maßen. Der Jahreswechsel 1972/1973 wurde dort gefeiert und im März eine Karnevalsfete, die allerdings ein Verbot weiterer Feierlichkeiten wegen Ruhestörung der im Obergeschoss wohnenden Mieter nach sich zog. Bei einer Podiumsdiskussion und einer Jugendringvollversammlung wurden von den Vertretern der Stadt Zugeständnisse gemacht: Der Kindergarten sollte Jugendzentrum werden. Als Knackpunkt kristallisierte sich bereits zu diesem Zeitpunkt heraus, dass es an einer rechtlich abgesicherten Dachorganisation mangelte, da die Stadt selbst unter gar keinen Umständen als Träger fungieren wollte. Ein Lösungswille für diese Problematik ließen die Stadtoberen vermissen. Und Personal hierfür einzustellen war nicht im Vorstellungsbereich von Rat und Verwaltung.

Am 6. Juli 1973 gründete sich dann die Jugendinitiative Bentheim (JIB), um unabhängig vom Stadtjugendring die Forderung nach einem unabhängigen und freien Jugendzentrum durchsetzen zu können. Ich bin immer noch im Besitz des Protokolls dieser Gründungsversammlung, das mittels eines der damals üblichen, mit Spiritus arbeitenden  Matritzendruckers vervielfältigt wurde:

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Zum Auftakt der Gründungsveranstaltung hielt Hans-Dieter Schrader (Abu) ein auch aus heutiger Sicht gelungenes Grundsatzreferat. Thema: „Zum Selbstverständnis einer Initiativgruppe“.  Dem Matritzendrucker sei Dank, denn mir liegt ein blau getränkter gelblicher Zettel  mit diesem Referat vor: „…es ist völlig falsch, die Initiative völlig  durchzuorganisieren…wird spontanes Handeln durch übertrieben bürokratischen Organisationsaufbau sehr erschwert.“ Gleichwohl wird unter Tagesordnungspunkt 2 eine Satzung verabschiedet. Unter 3. wird dann mit Wolfgang Kleinekemper (30 Stimmen ) und 6 weiteren jungen Bentheimern (ausschließlich junge Männer)  mit 13 bis 24 Stimmen ein Vorstand gewählt. In den folgenden 12 Monaten wurde mit allen Mitteln um die Einrichtung eines Jugendzentrums gekämpft. Ein Aufgabenzettel der JIB, der mir als ebenfalls als Matritzendruck noch vorliegt, zeigt es. Hier einige Auszüge: : „1. Öffentlichkeitsarbeit: Flugblätter schreiben, Handzettel schreiben, Presseartikel schreiben, Leserbriefe schreiben, Plakate besorgen. 2. Organisation: Aktionen organisieren, Infostand organisieren, Unterschriftenaktion starten. 3.: Verhandlungen, Gespräche mit der Stadt: Bei Stadtratssitzungen, beim Jugendausschuß, bei Gesprächen mit einzelnen Ratsherrn. Hier müssen permanent und massiv die Forderungen und Ziele der JIB und des Stadtjugendrings zur Geltung gebracht werden. 4. Koordination: betrifft insbesondere Gildehaus und Schüttorf. 5. Bündnispolitik.

Zu den Aktivitäten gehörte auch ein Leserbrief in den Grafschafter Nachrichten im Oktober 1973 unter der Überschrift „Die Treffpunkte der Bentheimer Jugend“. Der Leserbrief der vier 16jährigen Obergrafschafter ist sehr authentisch und ich zitiere ihn daher vollständig und mit einem Augenzwinkern: „Wenn man das Bedürfnis hat, sich am Samstagabend außerhalb des Hauses mit anderen Jugendlichen zu unterhalten, ist man auf kommerzielle Diskotheken oder auf ein kirchliches Jugendheim angewiesen, das man regelmäßig besuchen kann. Abgesehen davon, daß die Preise zu hoch sind (kleines Pils 1,50 DM) ist die eine Diskothek erst ab 18 Jahren zugänglich. Zwar sind die Preise im kirchlichen Jugendheim erschwinglich, doch herrscht auch hier, wie in den beiden anderen Diskotheken der Trinkzwang. Wenn man nichts trinken möchte, wird man vor die Tür gesetzt. Kürzlich wurde bedauerlicherweise gerade im kirchlichen Jugendheim ein Jugendlicher brutal rausgeschmissen, nachdem er versehentlich einen Aschenbecher zerbrach. Wir, und die sich friedlich für ihn einsetzten, bekamen Hausverbot. Wir glauben allerdings, daß dieser Vorfall nicht im Sinne des Pastors war. Da sich den Jugendlichen Bentheims keine andere Möglichkeiten anbieten, ordnen sie sich diesen ungerechten Zwängen unter und besuchen obengenannte Einrichtungen. Wir und mit uns viele andere Jugendliche glauben, daß man einem selbstverwalteten freien Jugendzentrum eine sinnvollere und angenehmere Freizeitgestaltung ausüben kann. Deshalb würden wir die Einrichtung eines FJS sehr begrüßen, und glauben, daß wir im Namen vieler Jugendlicher sprechen. Unterschriften von:

Stephan B., Friedbert P., Manfred F., Wolfgang W.

Weder Leserbriefe, Unterschriftensammlungen, Podiumsdiskussionen und mehr führten zum Erfolg, nämlich einem freien und selbstverwalteten Jugendzentrum. Zitat der JIB im Sommer 1974:  „Wir wollen jetzt endlich den vielen schönen Worten auch Taten folgen sehen. Oder halten es die Bentheimer Politiker (besonders der CDU) nicht für nötig, den Jugendlichen gegenüber ihre Versprechen zu halten?“ Während einige Kräfte aus Verwaltung und Politik mit realen oder vorgeschobenen Argumenten erfolgreich auf Zeit spielten, ebbte das Engagement der Jugendlichen ab. Ausbildung, Studium,  neue Orientierungen  wurden wichtiger. Erst 1978, nachdem sich der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und der damals existierende „Ring Politische Jugend“ (Zusammenschluss Bentheimer politischer Jugendorganisationen) einschalteten, konnte über eine Vereinslösung (UJH) ein Jugendzentrum mit Personal eingerichtet werden.

Was bleibt? Für die Jugendlichen, die heute ins Rentenalter kommen, war es ein  Lehrstück. Gelernt wurde, was in der Demokratie geht, welcher Widerstände es geben kann, wie man seine vermeintlichen oder realen Rechte in die Hand nehmen und durchsetzen kann-oder dies eben zunächst nicht gelingt. Jedenfalls war es selbst organisierte politische Bildung, die Spuren hinterlassen hat und obendrauf eine Jugendkultur, die auch noch Spaß gemacht hat. In jedem Fall war es ebenfalls eine neue Form politischen Engagements, ein Vorgeschmack auf die Anti-AKW- und Friedensbewegung einige Jahre später.

Nachtrag

Frühjahr 2018: Über 80 Bentheimer Schüler/-innen nehmen während der Schulzeit an einem sehr lobenswerten Projekt der Stadt teil.  Bei „Pimp your town“, einem mehrtägigen und professionell moderierten Jugendbeteiligungsprojekt wird Demokratie geübt und gelernt. Herbst 2018: Zwei Ergebnisse des Projekts werden dem Stadtrat zur Verabschiedung und Realisierung vorgelegt: „Mülleimer in öffentlichen Toilettenkabinen in Damentoiletten“ und „Wasserspender oder Trinkbrunnen aufstellen“. Wie sich die Zeiten doch ändern!

 

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ZDFinfo: Region Nordhorn/Bentheim war als Sammelraum der Nationalen Volksarmee vorgesehen

Eine besondere strategische Rolle war unserer Region durch die Militärs des Warschauer Paktes in ihren Plänen zugedacht, denn das Konzept der strategischen Beteiligung beinhaltete (noch) in den 1980er-Jahren auch Offensiven und Präventivschläge auf feindlichen Territorien. Im Zuge einer fünf- bis siebentägigen Offensive sollte die 5. Armee der Nationalen Volksarmee die deutsch-niederländische Grenze zwischen Nordhorn und Enschede erreichen. Drei motorisierte Schützen-Divisionen und eine Panzerdivision sollten diesen Vorstoß unterstützt durch sowjetische, später auch polnische  Divisionen und Regimenter unternehmen. Im Raum zwischen Nordhorn und Bad Bentheim, um Steinfurt herum und nördlich von Bocholt waren Sammelräume für die Divisionen vorgesehen.

Dies und mehr enthüllen detaillierte Offensivpläne des Warschauer Paktes, die durch den NVA-Oberstleutnant Siegfried Lautsch erhalten und später veröffentlicht wurden. Der Hauptangriff der Truppen wäre entsprechend der Angriffsstrategie des Warschauer Paktes in Hessen erfolgt, um die US-Army anzugreifen. NATO-Truppen waren darauf vorbereitet. Atomare Sprengköpfe wären möglicherweise zum Einsatz gekommen.

Ein Horrorszenarium!

„Welt-online“ berichtet in der heutigen Ausgabe zu diesen Plänen unter Hinweis auf den Fernsehbericht „Die sieben Geheimnisse der NVA“, der heute Abend (Freitag 30. November), um 20.15 Uhr bei ZDFinfo läuft und vermutlich in der Mediathek auch später noch verfügbar ist.

https://www.welt.de/geschichte/article184711106/Dritter-Weltkrieg-NVA-plante-Sechstagekrieg-gegen-die-Bundesrepublik.html

Welt online:

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