Es fährt ein Zug nach …..Gronau.

Ist der Flughafen Münster Osnabrück (FMO) unverzichtbar für die Verkehrsinfrastruktur der Region? Der Kreistag hat sich Donnerstagnachmittag mit dieser Frage beschäftigt und mehrheitlich mit „Ja“ beantwortet. Damit wurde durch den Mitgesellschafter Landkreis Grafschaft Bentheim eine weitere Kapitalzuführung mit einem fast schon symbolischen Betrag von 46.000 € zugestimmt. Tatsächlich wird auch nach Corona der chronisch klamme Flughafen für private und geschäftliche Fluggäste und für den Frachtverkehr ein Baustein im regionalen Mobilitätsangebot sein. Wird das von Dauer sein?

Der Ausbau des Schienenverkehrs in der Grafschaft und anderswo ist mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar wesentlich bedeutsamer! Unsere Regionalbahn entwickelt sich gut. Während des Wintereinbruchs habe ich beispielsweise den Zug nach Nordhorn -und zurück 😉- schätzen gelernt. Die Verlängerung über Emlichheim in die Niederlande ist ein logischer nächster Schritt.

Am 25. Juli 2020  habe ich hier in meinem Blog bereits einmal zum Ausbau der Regionalbahn geschrieben:“Bad Bentheim: Ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für den Schienenverkehr in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!“. Es ging hauptsächlich um die Historie der Strecke Bentheim-Gronau – und um die Zukunftsperspektive für diese Strecke. Ich werte es als sehr gutes Zeichen, dass die Wiederinbetriebnahme dieser Strecke nicht nur in der öffentlichen Diskussion immer häufiger auftaucht, sondern auch Politik, Gebietskörperschaften und Verwaltungen in diesem Sinne aktiv werden. Eine Machbarkeitsstudie wurde im vergangenen Herbst in Auftrag gegeben, schreibt die Bentheimer Eisenbahn auf ihrer Homepage und löste damit ein breites Medienecho aus. Besonders in NRW gibt es kräftige Bestrebungen zur Stärkung der Schiene im Münsterland. Eigentlich kann es keine Zweifel geben: Eine Reaktivierung der Strecke Bentheim – Gronau und damit eine durchgehende Verbindung von Coevorden über Nordhorn und Bentheim nach Gronau und damit in das NRW und NL-Schienennetz wird  erfolgreich sein. Beispiele: Mobilitätsvorteile in alle Richtungen für Arbeitnehmer, Studenten und Touristen in der Grafschaft, den Kreisen Borken, Steinfurt und der Twente, verbesserte Anbindung der Grafschaft an den Raum Münster und Ruhrgebiet/Rheinland und umgekehrt, Stärkung der Schiene und Verlagerung des Personen- und Warenverkehrs von der Straße auf die Schiene und damit die gewünschte  Stärkung des Schienenverkehrs insgesamt, also ökologische und ökonomische Vorteile. Es gäbe nur Gewinner bei diesem Projekt!

Um auf die Eingangsfrage im Zusammenhang mit einem Regionalflughafen FMO zurückzukommen: Nicht nur mein persönlicher Regionalflughafen ist der Internationale Flughafen Düsseldorf, der mit dem PKW in ca. 70 Minuten ab Bad Bentheim zu erreichen ist. Eine Bahnverbindung, die nicht über Münster, sondern über Gronau in Richtung Rheinland führt ist zwar nicht unbedingt schneller, aber die bequemere und ökologisch sinnvollere Variante. Dies gilt umso mehr, als das innerdeutsche Zubringerflüge mit einem Start in Düsseldorf verzichtbar sind.

Und am Rande, aber nicht ganz unwichtig: Weitere Haltestellen der Regionalbahn im Stadtgebiet  wie zum Beispiel in Gildehaus und eventuell sogar am Ferienpark (Foto) sorgen dafür, dass der Wagen im Carport bleibt. Nicht immer, aber immer häufiger.

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Die Wellnessoase Bad Bentheim

Oft wird in diesen Tagen an die Schneekatastrophe 1978/1979 erinnert. Nach meiner Erinnerung war Schleswig-Holstein besonders betroffen. So sehr wir uns verständlicherweise auf eine verschneite Landschaft, Abwechselung für die Kinder und knisternde Kamine freuen mögen, so sehr müssen wir uns Sorgen um katastrophale Zustände wie seinerzeit machen. Und es geht der Blick häufiger in Richtung Wetterkarte, da wird auch mal wetter.de angeklickt. Und neben den Infos über die zu erwartenden Minusgrade erfreut man sich dort an einer Ortsbeschreibung unter der freundlichen Überschrift  „Bad Bentheim-Wellnessoase an der niederländischen Grenze“. Auch als ortskundiger  Stadt- und Burgführer kann ich noch einiges lernen: Zum Beispiel die Tatsache, dass wir durch gleich „unzählige Thermen“ bekannt geworden sind. Erfreut stellen wir auch fest, dass sich „Besucher auf ein warmes und gemäßigtes Klima freuen dürfen“. Und Unheimliches trägt sich in Gildehaus zu: “Die in 1750 errichtete Ostmühle Gildehaus Mühlenberg befindet sich im Ortsteil Gildehaus und produziert noch heute Korn“ . Verlaufen kann man sich laut wetter.de überhaupt nicht, denn „die Stadt verfügt über 170 Kilometer an Rundwanderwegen mit Markierung, was einen sicheren Rückweg garantiert“.

Bleibt mir nur noch, allen Spaziergängern einen solch sicheren Heimweg von Ausflügen in ihre persönliche Wellnessoase zu wünschen, in der sie vom warmen Klima, unzähligen Termen und Korn, das in Mühlen wächst träumen können. Schönes Wochenende!

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Zum Holocaust-Gedenktag

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat im vergangenen Jahr anlässlich des Gedenktages und mit Blick auf den aktuellen Antisemitismus gesagt, dass Zeit, Worte und Täter nicht dieselben wie damals seien. „Aber es ist dasselbe Böse.“

Und auch Hanns Dieter Hüsch hat bereits vor 40 Jahren  eindringlich die Verbindung in die Gegenwart hergestellt. Hier ist sein Gedicht „Das Phänomen“. Auf Youtube kann man sich den Vortrag in verschiedenen Versionen ansehen.

Was ist das für ein Phänomen?

Fast kaum zu hören, kaum zu sehn.

Ganz früh schon fängt es in uns an:

das ist das Raffinierte dran.

Als Kind hat man’s noch nicht gefühlt,

hat noch mit allen schön gespielt.

Das Dreirad hat man sich geteilt,

und niemand hat deshalb geheult.

Doch dann hieß es von oben her:

“Mit dem da spielst du jetzt nicht mehr,

das möcht ich nicht noch einmal sehn!“

Was ist das für ein Phänomen?

Und ist man grösser, macht man’s auch.

Das scheint ein alter Menschenbrauch;

nur weil ein and’rer anders spricht

und hat ein anderes Gesicht.

Und wenn man’s noch so harmlos meint,

das ist das Anfangsbild vom Feind:

“Er passt mir nicht, er liegt mir nicht,

ich mag ihn nicht und find ihn schlicht

geschmacklos und hat keinen Grips –

und ausserdem: sein bunter Schlips!“

Dann setzt sich in Bewegung leis

der Hochmut und der Teufelskreis.

Und sagt man was dagegen mal,

dann heisst’s: „Wer ist denn hier normal,

ich oder er, du oder ich?

Ich find‘ den Typen widerlich!“

Und wenn du einen Penner siehst,

der sich sein Brot vom Dreck aufliest,

dann sagt ein Mann zu seiner Frau:

“Guck dir den Schmierfink an, die Sau!

Verwahrlost bis zum dorthinaus –

ja, früher warf man die gleich raus.

Und heute muss ich sie ernähren,

und unsereins darf sich nicht wehren.

Und auch die Gastarbeiterpest,

der letzte Rest vom Menschenrest,

die sollt’ man alle, das tät gut,

Spießruten laufen lassen bis auf’s Blut!“

Das ha’m wir doch schon mal gehört.

Da hat man die gleich streng verhört,

verfolgt, gehetzt, und für und für

ins Lager reingepfercht,

und hier

hat man sie dann erschlagen all!

Die Kinder mal auf jeden Fall.

Die hatten keinem was getan.

Was ist das für ein Größenwahn?

Das lodert auf im Handumdreh’n,

und ist auf einmal Weltgescheh’n.

Denn plötzlich steht an jedem Haus:

“Die Türken und Zigeuner raus!“

Nur weil kein Mensch derselbe ist,

und weiß und schwarz und gelbe ist,

wird er verbrannt, ob Frau, ob Mann.

Und das fängt schon von klein auf an.

Und wenn ihr heute Dreirad fahrt,

ihr Sterblichen, noch klein und zart.

Es ist doch eure schönste Zeit

voll Phantasie und Kindlichkeit.

Lasst keinen kommen, der da sagt,

dass ihm dein Spielfreund nicht behagt!

Dann stellt euch vor das Türkenkind,

dass ihm kein Leids und Tränen sind.

Dann nehmt euch alle an die Hand,

und nehmt auch den, der nicht erkannt,

dass früh schon in uns allen brennt,

das, was man den Faschismus nennt.

Nur wenn wir eins sind überall,

dann gibt es keinen neuen Fall

von Auschwitz bis nach Buchenwald!

Und wer’s nicht spürt, der merkt es bald.

Nur wenn wir in uns alle sehn,

besiegen wir das Phänomen!

Nur wenn wir alle in uns sind:

…fliegt keine Asche mehr im Wind…!

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Wann wird´s mal wieder richtig Winter?

„Der Februar hat viel Potential in Sachen Schnee und Eis“, behaupten jedenfalls  Wetterexperten in ihren Prognosen für die nächsten 42 Tage. Bitterkalt könnte es demnach zumindest zeitweise werden und Schnee könnte fallen. Alles erst im Februar, aber es bleibt die Vorfreude auf richtiges Winterwetter. Das würde  nicht nur die Kinder freuen.

Der kurzzeitige Wintereinbruch am vergangenen Wochenende hat es deutlich gemacht: Abwechselung und Action an der frischen Luft werden herbeigesehnt. Drei Zentimeter Neuschnee verwandelten Stadt und Land in ein „Winter Wonderland“. Die angerosteten Schlitten wurden hervorgekramt und der Schlosspark wurde wie in den guten alten Zeiten zum Kids- und Familientreffpunkt. Wege, Stiegen, Felsen und Gebäude zeigten sich verschneit und lockten Spaziergänger in die Stadt. Die bildschönen Ansichten mal ganz anders im weißen Kleid bieten schöne Eindrücke, neue Perspektiven, sind Futter für die Seele in tristen Zeiten und machen gute Laune und Spaß. Alles natürlich mit Abstand und Anstand in Stadt, Wald, Venn und Bergen. Platz genug ist ja da.

Kleine Ergänzung zum Eingangssatz: „Möchte man Vorhersagen betrachten, die weiter als einen Tag in die Zukunft reichen, muss man mit kontinuierlich abfallender Qualität rechnen“, meint der Deutsche Wetterdienst. Ich sage: „Auch hier gilt: Optimistisch bleiben, der Winter kommt noch einmal zurück. Vielleicht noch in diesem Jahr“.

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Beste Freunde

Heute ist der „Deutsch-Französische Tag“. Präsident Chirac und Bundeskanzler Schröder initiierten diesen Tag zum 40. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags im Jahr 2003. „Wir wünschen, dass dieser Tag künftig in allen Einrichtungen unserer Bildungssysteme der Darstellung unserer bilateralen Beziehungen, der Werbung für die Partnersprache und der Information über die Austausch- und Begegnungsprogramme sowie über die Möglichkeiten des Studiums und der Beschäftigung im Partnerland gewidmet wird“, heißt es etwas sperrig bei Wikipedia dazu. Nicht nur geschichtsbewussten Menschen in beiden Ländern ist es mit oder ohne einen solchen Tag und abseits aller offiziellen Äußerungen ein großes Anliegen, dass sich die Jugendlichen dieser beiden Länder kennenlernen können. Auch in Bad Bentheim gibt es seit vielen Jahren mindestens eine kontinuierliche Initiative, nämlich den jährlichen Schüler*innenaustausch am Burggymnasium. Wechselseitig besuchen sich die Jugendlichen bei uns oder in Besancon.

Etliche Bentheimer*innen erinnern sich noch gut an die Ferienfreizeiten des Jugendhauses in der Bretagne vor genau 40 Jahren. Schon Jahre vorher entdeckten Bentheimer Jugendliche ihr ganz persönliches Ferienparadies in Camaret sur Mer/Bretagne. Lebenslange Verbindungen und Freundschaften entstanden in jungen Jahren zu Land und Menschen. Es passierte organisiert und ganz privat unorganisiert genau dass, was die Politiker wie de Gaulle, Adenauer und ihre Nachfolger*innen nach den schrecklichen Kapiteln in der Geschichte der beiden Länder im Sinn hatten: Freundschaft -und oft auch mehr- durch Begegnung.

In Krisenzeiten wie jetzt in der Corona-Pandemie bleibt wenig Raum für ganz neue Aktivitäten. Sogar die vielen privaten Beziehungen und Freundschaften können nur digital gelebt werden. Auch Optimisten planen erst einmal keine Ausflüge und Ferien zum Beispiel in der Bretagne, Provence, Cote d´Azur oder Paris.  Nach überstandener Pandemie wird hoffentlich wieder Platz für neue Initiativen besonders, aber nicht nur für Jugendliche sein. Auch in unserer Stadt? Wie wäre es zum Beispiel mit Einladungen an Winzer aus dem Elsass zum alljährlichen Weinfest auf dem Herrenberg? Angesichts der dort überwiegend angebotenen Moseltröpfchen (die selbstverständlich auch munden könnten) würden elsässische Winzer das Niveau noch weiter heben und das Fest bereichern. Das könnte erst recht gelingen, wenn auch das begleitende Kulturprogramm entsprechend ausgerichtet würde. Italienische Freunde sind ja bereits dabei. Ein Weinfest, dass die europäische Einheit feiert, das könnte doch ganz nett werden, oder nicht?

Bis es soweit ist, könnten wir auf den deutsch-französischen Tag  mit einem Glas Bordeaux anstoßen 😉

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ALLE Kinder sollen schwimmen lernen!

„Ich befürchte, dass eine ganze Generation von Kindern entweder extrem schlecht oder gar nicht sicher schwimmen kann“, warnte kürzlich Franziska van Almsick in den Medien vor einer weiteren negativen Folge der Corona-Pandemie. 59 Prozent der Kinder sind keine sicheren Schwimmer, wenn sie die Grundschule verlassen, teilt die DLRG dazu mit und warnt -natürlich vollkommen zu Recht-  davor, dass ein ganzer Jahrgang aufgrund der Bäderschließungen nicht zu sicheren Schwimmer*innen ausgebildet werden kann.

Wenngleich nicht in dieser Ausprägung, aber dennoch leicht erkennbar, zeichnet sich diese Problematik schon lange ab. Schließungen von Frei- und Hallenbädern mögen andernorts dabei eine Rolle spielen und vermutlich ebenso der Zuzug von Kindern aus Ländern, in denen eine Schwimmausbildung purer Luxus sein dürfte und für einen Teil der Kinder auch noch für überflüssig erachtet wird. Und natürlich gibt es auch in unserer Stadt Eltern, die auch in diesem Bereich ihre Kinder nicht im wünschenswerten Maße fördern (können). Im Herbst 2017 ist die Bad Bentheimer SPD folgerichtig mit einem klaren Statement an die Öffentlichkeit gegangen: „Alle Kinder in der Stadt müssen spätestens in der Grundschulzeit zu sicheren Schwimmern ausgebildet werden“. Auch die Bad Bentheimer CDU sieht jetzt Handlungsbedarf und erkennt in einer wohl gemeinsamen Presseerklärung mit der DLRG, dass Schwimmkurse in nächster Zeit verstärkt angeboten werden müssen. Bei soviel Einigkeit sollte es gelingen, künftig möglichst vielen Kindern zum Schwimmabzeichen zu verhelfen.

Die Schulen und der seit vielen Jahren dankenswerterweise ehrenamtlich sehr engagierte örtliche Verband DLRG finden mit unserem zeitgemäßen Badepark beste Bedingungen am Ort vor. Die Wassergewöhnung wird für viele Eltern da zum Freizeitvergnügen 😉 Und Stadtverwaltung und Badepark werden sicher dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Schwieriger wird es, wenn wirklich alle Kinder, also auch Jungen und Mädchen aus Migrantenfamilien und aus sozial benachteiligten Familien erreicht werden sollen. Dafür müssen weitere Anstrengungen durch verschiedene Personen und Stellen unternommen werden. Und wer würde schon bestreiten, dass dies unbedingt erreicht werden sollte?

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Alles Gute für 2021

Der Grafschafter und sein Verein: „Auch in diesem Jahr haben wir uns wieder um eine konstruktive und faire Diskussionskultur bemüht.“

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Worum geht`s?

„Fußball in Coronazeiten“ ist ein spannendes Thema mit vielen Facetten. Da ist einerseits der Amateurbereich, dessen Spielzeit selbstverständlich unterbrochen werden musste. Mit dem Anstieg der Corona-Neuinfektionen  wurde früh klar, dass nicht nur im Kinder- und Jugendbereich, sondern folgerichtig auch im Senioren*innenbereich ein Trainings- und Spielbetrieb unmöglich ist.

Uns bleibt jedoch der Profisport, der von Sonderregelungen profitiert. „Am Ende des Tages geht es ums Geld“, sagte bereits im Frühjahr der Oberguru des deutschen Profifußball, Karl-Heinz Rummennige, zu den Ausnahmeregelungen für die Profiligen. Ich habe später nicht erfahren, ob er diese Aussage irgendwann einmal zurückgenommen oder mindestens relativiert hat. Oder ob er sich dafür geschämt hat, als er hoffentlich irgendwann realisierte, dass es am Ende des Tages um andere Dinge geht, nämlich um die Unversehrtheit und Gesundheit der Menschen und damit auch der Fußballer?

Jetzt rollt der Ball unvermindert weiter. In menschenleeren Stadien hören wir das Echo der Coachingversuche der Trainer, Schiedsrichtbeschimpfungen und Jubel- und Entsetzensschreie. Wir dürfen uns über großartige sportliche Leistungen wir die von Robert Lewandowski freuen und den Absturz Lucien Favres beim BVB kommentieren. Wir können uns über nicht für möglich gehaltene Minusleistungen des HSV oder Schalke 04 auslassen und in den spielfreien Wochen bietet uns der DFB mit „Der Mannschaft“ noch ein ganz spezielles Theater. Das sind Zugaben der besonderen Art, wenn Deutschland 0:6 gegen Spanien verliert, ein Bundestrainer zwar ein gut begründetes Konzept durchzieht, dabei aber aufreizende Dickköpfigkeit und Sturheit an den Tag legt. Wir können in diesen „Coronazeiten“ an den wenigen fußballfreien Tagen auch an Rui Pinto denken, der sich vor Gericht für seine Enthüllungen in „Football Leaks“ verantworten muss. Die fast unglaublichen kriminellen Machenschaften in allen Fußballverbänden von der FIFA über die UEFA bis zu den Bundesligaclubs (!) hat er als Whistleblower aufgedeckt, wurde dafür eingesperrt und angeklagt und kann genauso wie wir bestaunen, dass das Geschäft unverändert weiter geht. Der Ball muss rollen und der Rubel natürlich auch, denn wir wissen ja: „Am Ende des Tages geht es doch ums Geld“ (K.H. R.) Und dann wundern wir uns auch nicht mehr darüber, dass der in fast jeder Beziehung führende deutsche Fußballclub demnächst wieder ins Trainingslager aufbricht. Nach Katar. Wahrscheinlich, weil das Wetter da so gut ist und der Rasen so grün 😉 „Sportlich Weltklasse, moralisch Kreisklasse“, meinte kürzlich „Die Zeit“ dazu.  

Und wenn uns gerade einmal nicht packende Partien oder auch Grottenkicks fesseln oder wenn uns gerade nichts Nachdenkliches zum Fußballsport einfällt, dann erinnern wir uns möglicherweise an vermeintlich bessere Zeiten. Zum Beispiel an  Auswärtsspiele in Dortmund, die mit einer Erfrischung vor dem Spiel am alten Stadion „Rote Erde“ in lebenslanger Fanfreundschaft begannen und mit einem fröhlichen Nachspiel im Kreise BVB-Ultras am Bierstand an der Reithalle in aller Fußballerfreundschaft endeten.

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Zum 9. November: Die Aufarbeitung lokaler NS-Geschichte bleibt wichtig

„Friederike Wieking-Fürsorgerin, Polizeiführerin und KZ-Leiterin“ ist der Titel eines in diesen Tag neu erscheinenden  Buches (zu bestellen über info@heimatverein-grafschaft.de, ISBN 978-3-9818211-8-5), das zur Aufarbeitung deutscher und auch lokaler Geschichte einen wichtigen Beitrag leistet. In vier Kapiteln und über 347 Seiten  beschreibt der Historiker Sören Groß das Leben und Wirken einer Frau, die 1891 in Gildehaus geboren und dort aufgewachsen ist. Noch im Kaiserreich und dann in der Weimarer Republik  baute sie als sozial orientierte Fürsorgerin zunächst das Berliner Pflegeamt und dann die Weibliche Kriminalpolizei auf. Als leitende Mitarbeiterin des Reichssicherheitshauptamtes unter der Leitung von Heinrich Himmler war sie später mit der administrativen Leitung von drei Jugendkonzentrationslagern betraut. Nach dem Krieg gehörte sie zum Heer der Täter*innen,  die von persönlicher Verantwortung und Schuld nichts wissen wollten. Herausgegeben wird das Buch vom Heimatverein der Grafschaft Bentheim. Uwe Fitzek schreibt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender im Vorwort: „Der Heimatverein der Grafschaft Bentheim sieht diese geschichtswissenschaftliche Publikation als einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur an. Den nationalsozialistischen Terror und die Gräueltaten des NS-Regimes, begangen von Mitläufern, Nutznießern oder Tätern, müssen auch weiterhin durch Wissenschaft und Forschung ergründet, bearbeitet und dokumentiert werden.“  Die wissenschaftlich fundierte Arbeit ist für den geschichtsinteressierten Laien sehr gut lesbar. Dazu trägt einmal mehr die hervorragende Gestaltung durch den  Verlag A. Hellendoorn sowie die reichhaltige Verwendung von Bildern, Zeitungsausschnitten, Dokumenten und Statistiken bei. Gewidmet hat es der Autor dem Gedenken an die Opfer der Jugendkonzentrationslager.

Wie der Heimatverein drängt auch Peter Weidner für die Geschichtswerkstatt Curriculum Vitae e.V. als Mitherausgeber des Buches auf die weitere Aufarbeitung der braunen Geschichte Bentheims und des Bentheimer Landes. Er nannte in diesen Tagen in einer Mail  Themen, nämlich  die Geschichte der Gestapo und Grenzpolizei Bentheim mit 155 Beamten, das Erbgesundheitsgericht beim Amtsgericht Bentheim, das Bentheimer Gefängnis, die Naziparteileute, die Verfolgung der Juden, die Bentheimer Eisenbahn, die Sterilisationen im Kreiskrankenhaus, die Deportationszüge aus Holland, die Hitlerjugend.

Ich meine ebenfalls, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit wichtiger Teil der Erinnerungskultur, des Gedenkens an die Opfer ist. Und darüber hinaus ist die Aufarbeitung und Kenntnis für die Gegenwart von großer Bedeutung. Heutige und künftige Generationen können damit erkennen, dass Hass, Rassismus und Nationalismus ein furchtbarer Irrweg sind. Sie werden daran erinnert, wie leicht und doch folgenschwer Menschen verführt werden können.

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Jede Stimme zählt

Ich gebe es zu: in der gestrigen Ratssitzung habe ich zwischendurch mehrmals meine Tagesschau-App in Erwartung guter Nachrichten aus den USA aufgerufen. Und tatsächlich beruhigten einige Zwischenergebnisse, wenngleich ich dem amerikanischen Schriftsteller Tom Boyle leider zustimmen muss. Er bezeichnete die Präsidentenwahl unabhängig vom Ausgang schon jetzt als „Desaster für unsere Demokratie“. Beschädigt ist in meinen Augen einmal mehr die Demokratie weltweit. Durch die Wahl mit all seinen unrühmlichen Begleitumständen und erst recht durch die Politik eines Präsidenten der früheren Führungsmacht der freien Welt wurde und wird das Vertrauen in demokratische politische Entscheidungsprozesse schwer erschüttert.

Welch ein Gegensatz zwischen diesen Entwicklungen in den USA und den zwar oft umstrittenen, aber überwiegend auf Ausgleich und Akzeptanz ausgerichteten Entscheidungsprozessen auf dieser Seite des Atlantiks. Und ein kleines, für uns Bentheimer*innen dennoch nicht unbedeutendes Rädchen dieser funktionierenden Demokratie war an diesem herbstlichen Mittwochabend im Forum der Bentheimer Stadtrat. Der Rat beschäftigte sich fast vier Stunden lang unter anderem mit den Grundlagen eines aktualisierten Raumordnungsprogramms,  mit Fakten zur Fortschreibung des Wohnraumversorgungskonzeptes und mit Prognosen zur Kitakinder- und Schulkinderzahlen. All das sind Grundlagen für weitreichende Entscheidungen in unserer Stadt, die Einfluss auf wichtige Lebensbereiche aller Einwohner*innen haben. Entscheidungen werden auf der Basis von Fakten vorbereitet. Das ist mühsam, erfordert hohen Aufwand aller Beteiligten und am Ende möglicherweise Zugeständnisse  und Kompromisse. Das Ergebnis sind in der Regel transparente Entscheidungen nach Faktenlage, die gerade deshalb akzeptiert werden können.

Welch ein Unterschied zu  einer Politik  mit ständigen Falschinformationen und Diffamierungen, die nicht einmal das Votum der Wähler*innen akzeptiert.  Wir haben ausgelernt vom ehemaligen Lehrmeister und das politische System emanzipiert.  Jetzt können wir noch lernen, wie es nicht laufen darf. Lieber rauchende Köpfe als rauchende Colts!

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