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Zum 9. November: Die Aufarbeitung lokaler NS-Geschichte bleibt wichtig

„Friederike Wieking-Fürsorgerin, Polizeiführerin und KZ-Leiterin“ ist der Titel eines in diesen Tag neu erscheinenden  Buches (zu bestellen über info@heimatverein-grafschaft.de, ISBN 978-3-9818211-8-5), das zur Aufarbeitung deutscher und auch lokaler Geschichte einen wichtigen Beitrag leistet. In vier Kapiteln und über 347 Seiten  beschreibt der Historiker Sören Groß das Leben und Wirken einer Frau, die 1891 in Gildehaus geboren und dort aufgewachsen ist. Noch im Kaiserreich und dann in der Weimarer Republik  baute sie als sozial orientierte Fürsorgerin zunächst das Berliner Pflegeamt und dann die Weibliche Kriminalpolizei auf. Als leitende Mitarbeiterin des Reichssicherheitshauptamtes unter der Leitung von Heinrich Himmler war sie später mit der administrativen Leitung von drei Jugendkonzentrationslagern betraut. Nach dem Krieg gehörte sie zum Heer der Täter*innen,  die von persönlicher Verantwortung und Schuld nichts wissen wollten. Herausgegeben wird das Buch vom Heimatverein der Grafschaft Bentheim. Uwe Fitzek schreibt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender im Vorwort: „Der Heimatverein der Grafschaft Bentheim sieht diese geschichtswissenschaftliche Publikation als einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur an. Den nationalsozialistischen Terror und die Gräueltaten des NS-Regimes, begangen von Mitläufern, Nutznießern oder Tätern, müssen auch weiterhin durch Wissenschaft und Forschung ergründet, bearbeitet und dokumentiert werden.“  Die wissenschaftlich fundierte Arbeit ist für den geschichtsinteressierten Laien sehr gut lesbar. Dazu trägt einmal mehr die hervorragende Gestaltung durch den  Verlag A. Hellendoorn sowie die reichhaltige Verwendung von Bildern, Zeitungsausschnitten, Dokumenten und Statistiken bei. Gewidmet hat es der Autor dem Gedenken an die Opfer der Jugendkonzentrationslager.

Wie der Heimatverein drängt auch Peter Weidner für die Geschichtswerkstatt Curriculum Vitae e.V. als Mitherausgeber des Buches auf die weitere Aufarbeitung der braunen Geschichte Bentheims und des Bentheimer Landes. Er nannte in diesen Tagen in einer Mail  Themen, nämlich  die Geschichte der Gestapo und Grenzpolizei Bentheim mit 155 Beamten, das Erbgesundheitsgericht beim Amtsgericht Bentheim, das Bentheimer Gefängnis, die Naziparteileute, die Verfolgung der Juden, die Bentheimer Eisenbahn, die Sterilisationen im Kreiskrankenhaus, die Deportationszüge aus Holland, die Hitlerjugend.

Ich meine ebenfalls, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit wichtiger Teil der Erinnerungskultur, des Gedenkens an die Opfer ist. Und darüber hinaus ist die Aufarbeitung und Kenntnis für die Gegenwart von großer Bedeutung. Heutige und künftige Generationen können damit erkennen, dass Hass, Rassismus und Nationalismus ein furchtbarer Irrweg sind. Sie werden daran erinnert, wie leicht und doch folgenschwer Menschen verführt werden können.

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Bad Bentheim: Ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für den Schienenverkehr in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!

Im Zusammenhang mit Klima- und Umweltschutzdiskussionen spielen auch Mobilitätsfragen eine gewichtige Rolle. Die Bahn ist dabei mit allen positiven und leider auch negativen Schlagzeilen immer wieder Thema.

Ein wichtiger Aspekt für uns Grafschafter ist die Wiederinbetriebnahme ehemals stillgelegter Bahnstrecken. Die lokalen Initiativen und Anstrengungen haben dazu beigetragen, dass jetzt auf der Strecke Bad Bentheim – Neuenhaus wieder der Schienenpersonenverkehr rollt und hoffentlich künftig über Emlichheim ins niederländische Netz fortgesetzt wird.

Wirklich rund wird diese Entwicklung durch eine mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke Bad Bentheim – Gronau/Ochtrup.  Bis Achterberg bzw. bis zum Munitionsdepot auf Ochtruper Gebiet liegen die Schienen. Die Anbindung von Gildehaus wäre ein erster kleiner, für Bad Bentheim dennoch nicht unwichtiger Schritt. Von größerer Bedeutung wäre die Direktverbindung in das NRW-Schienennetz von Nordhorn kommend über Bad Bentheim nach Gronau und von dort nach Münster sowie ins Ruhrgebiet/Rheinland.  Es wäre ein Quantensprung für unsere Region und besonders auch für Bad Bentheim  als dann gestärkter Verkehrsknotenpunkt. Vor fünfzehn oder zehn Jahren wurden solche durchaus vorhandenen Gedankenspiele noch belächelt. Die Realisierungschancen wurden mir erstmals von drei Jahren bewusst. Bei einem der Workshops für das Stadtentwicklungskonzept „Zukunft Bad Bentheim 2035“ schätzten auch die anwesenden Experten und Entscheidungsträger entsprechende Planungen als durchaus realistisch und erfolgsversprechend ein. „Anbindung Gronau“ findet sich dort an der Pinwand als Idee unter der Überschrift „Wo wollen wir hin“.

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Die Dynamik der Klimaschutz- und Mobilitätsdebatten sowie die erfolgreiche Reaktivierung der Strecke Bad Bentheim-Neuenhaus sorgt mittlerweile für erste Planungsschritte. Erste Voruntersuchungen laufen, Bad Bentheim beteiligt sich daran und das Projekt wird hoffentlich Schwung aufnehmen. Ein Indiz dafür sind auch die Veröffentlichungen des „Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), die auf  eine Vielzahl möglicher Schienenreaktivierungen deutschlandweit und darunter auch auf die Strecke Bentheim-Gronau  hinweisen. Nachzulesen ist dies zusammen mit vielen weiteren Fakten auf der Seite www.allianz-pro-Schiene.de  der „Allianz pro Schiene“ unter „Reaktivierungen“.

Interessant ist  ein Blick zurück in die Zeit, als die Strecke nach Gronau geplant und dann gebaut wurde. In einem älteren Jahrbuch des Heimatvereins  (Das Bentheimer Land, Band 97, Jahrbuch 1981, Nordhorn)   finden  wir im Beitrag „Vorgeschichte und Bau der Eisenbahnlinie von Bentheim über Gildehaus nach Gronau“ von Hanspeter Dickel  Fakten, die ich hier zusammenfasse.

Im Jahre 1865 erfolgte die Realisierung der Strecke Almelo-Salzbergen über Bentheim und 1875 folgten die Strecken Münster-Enschede und Dortmund-Enschede jeweils über Gronau. Am 14. April 1896 wurde die Strecke Bentheim-Nordhorn-Neuenhaus eingeweiht. Ab 1903 verkehrte zudem eine Kleinbahn zwischen Gronau und Oldenzaal und zwei Jahre später eine Linie von Ochtrup nach Rheine.

Die Planungen für die Linie von Bentheim über Gildehaus nach Gronau, deren Reaktivierung jetzt möglicherweise realisiert werden kann,  waren bereits seit den 1880er Jahren im Gespräch. Motor dieser schließlich erfolgreichen Planungen waren die Städte Gronau und Epe. Diese waren wenig angetan von Überlegungen zu einer Strecke von Freren nach Almelo über Lingen und Nordhorn und damit an einer Ost-West-Querung der Grafschaft über Nordhorn. Dagegen entspräche die dann realisierte Längsverbindung durch die Grafschaft von Neuenhaus über Bentheim nach Gronau stärker ihren Wirtschafts- und Verkehrsinteressen. Dafür nahmen sie (unter anderem der Textilfabrikant M. van Delden) Geld in die Hand (15.000 Mark für Grunderwerb) und machten politisch Druck. Ihre Argumente: Im- und Exportvolumen von Landwirtschaftsgütern und besonders Vieh waren sowohl im Kreis Bentheim wie auch im nördlichen Holland beträchtlich. Und im Verbund mit den Bahnstrecken der Linien Münster/Dortmund-Enschede wird eine kürzere und direktere Verbindung entstehen, mit deren Hilfe die rheinisch-westfälische Kohle die englische Kohle in Groningen und Umgebung verdrängen kann. Die westfälischen Hochöfen würden auch rentabler mit einer Direktverbindung bis Gildehaus und Nordhorn arbeiten können. Und schließlich wird auch die Steinindustrie in Gildehaus als Pluspunkt der Streckenführung Gronau-Nordhorn über Bentheim genannt. Also standen Wirtschaftsinteressen, die weit über den lokalen Bezug hinausgingen, im Zentrum der Bestrebungen.

Schließlich waren auch Streckenführungen ab Schüttorf nach Burgsteinfurt und von Bentheim nach Ochtrup (!) im Gespräch. Die Topografie mit dem Bentheimer Höhenrücken sprach gegen die erste Variante. Die Eisenbahndirektion Köln entschied sich aus Kostengründen für eine Strecke Coevorden-Bentheim-Ochtrup.  Der Grafschafter Kreistag machte 1897, also ein Jahr nach Eröffnung der Linie Neuenhaus-Bentheim, Druck für die Fortführung von Bentheim nach Gronau oder Ochtrup und auch auf westfälischer Seite wurde unter Einbeziehung beträchtlicher Summen dafür gearbeitet. Von dort wurde die Argumentation mit dem Arbeitskräftebedarf der Gronauer Industrie gestützt. Die Bahnverbindung sollte Abhilfe schaffen und das Arbeitskräftepotential der Grafschaft besser ausschöpfen.

1903 war es soweit: Der Gronauer Magistrat und der Kreistag in Bentheim kamen zu entsprechenden Beschlüssen. 1906 erfolgte die Konzessionserteilung, am 3. September des Jahres fand der erste Spatenstich am Bentheimer Bahnhof Süd statt. Für die Jüngeren: dieser befand sich am Ritterstein, der für die Trasse frei gesprengt wurde. Gefeiert wurde der Spatenstich  im Hotel Bellevue und bei Lenzing. Die Strecke mit einer Länge von gut 18 km, 43 Bahnübergängen und sechs Brückenbauten wurde am 20. Juni 1908 in Betrieb genommen. Die Handelsbeziehungen und auch die sozialen Beziehungen sollten sich anschließend ausweiten.

Motivation und Bedingungen für den Betrieb dieser Bahnlinie Bentheim-Gronau (die bis 1974 bestand)  haben sich selbstverständlich in wesentlichen, nicht aber in allen Punkten verändert. Unverändert gilt allerdings ein Satz aus den Gronauer Nachrichten vom 2.6.1897:

„…wäre es jetzt wohl endlich an der Zeit, daß die hiesigen Kreise nunmehr aus ihrer Reserve heraustreten und kräftig für die Realisierung des Projektes Gildehaus-Gronau eintreten.“

Ein Satz, der 123 Jahre später aktueller denn je ist. Es wird höchste Zeit für die Bahn nach Gronau/Ochtrup, bevor noch mehr Unkraut über die Schienen wächst!

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Erinnerungen an das Kriegsende in Bentheim im Livechat

Am 8.Mai 1945 ging der 2. Weltkrieg zu Ende. Nach dem deutschen Überfall auf seine Nachbarländer, einem Angriffskrieg mit schließlich 60 Millionen toten Zivilisten und Soldaten, nach dem Naziterror und der Ermordung von 6 Millionen europäischen Juden war es die „Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ (R. von Weizsäcker).

Die Obergrafschaft wurde bereits einige Wochen vorher von alliierten Truppen befreit. An den Osterfeiertagen 1945 trafen die aus den Niederlanden anrückenden englischen Truppen in Gildehaus, Bentheim und Schüttorf auf heftigen Widerstand deutscher Einheiten. Der völlig unsinnige Widerstand forderte Opfer auf beiden Seiten. Zivilisten wie auch Soldaten (Foto: Grabstellen auf dem evangelischen Friedhof) verloren ihr Leben, Häuser, Höfe und Fabriken wurden zerstört.  Die lokale Geschichtsschreibung gibt ausführliche Auskunft zu den Geschehnissen in dieser Zeit. Bestes Beispiel dafür sind die Erinnerungen von Zeitzeugen und Aufarbeitungen im Standardwerk zur Geschichte der Stadt: „Aspekte einer Stadtgeschichte“.

Mit einer gut vorbereiteten öffentlichen  Gedenk- und Feierstunde am 1. April sollte dem 75. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung gedacht werden. Die Veranstaltung sollte im Kloster Bardel mit möglichst großer Beteiligung aus der Bürgerschaft, darunter viele Bentheimer Schüler*innen,  stattfinden. Die Absage im Zuge der Corona-Krise war unvermeidlich. Es ist der Bad Bentheimer Stadtverwaltung mit Volker Pannen an der Spitze zu verdanken, dass jetzt eine angemessene und vielversprechende alternative Veranstaltungsform gefunden wurde: Am Freitag, 8. Mai wird es zwischen 10.00 und 12.30 Uhr einen youtube-livechat geben. Das Programm:

10.00 Uhr: Musikalischer Auftakt,

10.05 Uhr: Zeitzeugeninterview mit Herrn Käweker zum Thema Kriegsende,

10.45 Uhr: Talkrunde des Kreisarchivars Herrn  Lonnemann mit Frau  Maschmeier und Herrn Käweker zu den Themen Kriegsende und Befreiung mit der Gelegenheit, online Fragen zu stellen,

11.45 Uhr: Zeitzeugeninterview mit Frau Wertheim zum Thema Befreiung (aus dem Jahr 2010),

12.25 Uhr: Musikalischer Ausklang.

Livestream-Link für den 8. Mai: https://youtu.be/k1v6AgfR-O0

Interessant ist auch die Möglichkeit, bereits im Vorfeld Fragen an die Talkrunde stellen zu können: kriegsende@stadt-badbentheim.de

Die komplette Veranstaltung und auch die Zeitzeugeninterviews können auch weiterhin jederzeit abgerufen werden. Zudem wird ein ausführlicher Reader vorbereitet.

Einen Link zum livechat gibt es erfreulicherweise auch bei www.gn-online.de

Eine solche Veranstaltung soll aus meiner Sicht  dem Gedenken an die Opfer auch aus unserer Stadt gewidmet sein und gleichermaßen das Geschichtsbewusstsein schärfen, damit Krieg, Gewalt und  Hass keine Zukunft in unserem Land haben. Ganz im Sinne meines französischen Freundes C. aus La Ciotat, der mir vor wenigen Tagen diese Zeilen schrieb:  „Unsere Nationen sind jetzt befreundet, wir sind Europäer und es ist unsere Aufgabe, für bessere Zeiten zu sorgen!“

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Marsch, marsch, Hurrah!!

„100 Jahre Erster Weltkrieg“, das ist eines der großen Themen in diesem Jahr. Auf lokaler Ebene ist die Ausstellung „Für Grafschaft, Volk und Vaterland“ im Gildehauser Otto-Pankok-Museum ein wesentlicher Anknüpfungpunkt bei der vernachlässigten Auseinandersetzung mit dem Thema, das immer noch viele Gegenwartsbezüge aufweist. Bereits bei der offiziellen Eröffnung vor einigen Wochen machten die Initiatoren deutlich, dass es nicht um eine heimatkundliche Ausstellung von Gegenständen gehen soll. Den Besucher erwartet vielmehr eine vielschichtig konzeptionierte und zusammengestellte  Ausstellung mit Lithographien bekannter Künstler von Max Liebermann über Heinrich Zille bis Käthe Kollwitz, mit Fotos aus Familienalben und eben auch Ausstellungsstücken wie Pickelhauben und Kriegswerkzeug. Auch audiovisuelle Medien stehen bereit. Dabei kann so gegensätzlichen Lebensschicksalen wie dem des Grafschafter Jagdfliegers Derk Averes  oder eines der wenigen Widerständler, Wilhelm Iemhoff (Bürgemeister von Wielen und Kreistagsabgeordneter) nachgeforscht werden.

Der Ausstellung sind viele interessierte Besucher zu wünschen. Und gerade für Schulen bietet sich hier eine seltene Gelegenheit, das Thema in einer für Schüler interessanten Form aufzugreifen. Es ist schwer nachvollziehbar, dass bisher nur eine einzige Schulklasse aus der Grafschaft davon Gebrauch gemacht hat, obwohl der Landkreis Grafschaft Bentheim sogar die Buskosten für die An- und Abfahrt übernimmt. Also liebe Leserinnen und Leser: Bitte Geschichts- und andere Lehrer/-innen auf diesen außerschulischen Bildungsort aufmerksam machen! Die Ausstellung läuft noch bis Ende Januar.

Erfreulich ist dagegen, dass der Historiker Dr. Helmut Lensing sowie die Universitäten Osnabrück und Vechta weitere Materialien aus der Zeit 1914 – 1918 aufarbeiten werden. In Kooperation mit dem Heimatverein Grafschaft Bentheim wird der Landkreis eine Dokumentation erarbeiten, die besonders für unterrichtliche Zwecke geeignet sein soll. Im Kulturausschuss des Kreistages  wurde zudem eine Ausstellung mit  Vorstellung der Dokumentation für das Jahr 2018 angekündigt. Wir stehen  mit der Ausstellung und den daraus entstandenen Projektideen also noch am Anfang der Aufarbeitung einer heimathistorisch wichtigen Epoche. Die Aktualiät des Themas wird unter anderem deutlich bei Betrachtung einer Lithographie Max Liebermanns: Soldaten ziehen fanatisiert und nationalistisch gestimmt mit dem Schlachtruf „Marsch, marsch Hurrah!!“ in den Kampf.

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„Sommer, Sonne, See“ in Gildehaus

Wieder einmal gibt es eine überaus interessante Ausstellung im Otto-Pankok-Museum zu erleben, „La Mer“:

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Interressant und gelungen ist bereits der Aufbau im Erdgeschoss des Museums. Thema im Hauptraum ist „Das Meer als Ort der Inspiration, der Lebensbejahung und Ziel menschlicher Sehnsüchte“. Neben Bildern Otto Pankoks und anderer Künstler gefallen mir in diesem Ausstellungsbereich einmal mehr die Holzschnitte Werner Persys. „Es verbindet sie die Darstellung der Harmonie im Blick auf Meer und Strand“, lesen wir im Infoblatt zur Ausstellung. Werner Persy war bereits bei vorangegangenen Austellungen mit seinen Arbeiten im Pankok-Museum vertreten und wird es hoffentlich auch künftig sein!

Der Zwischenraum ist mit „Das Meer als Ort der Arbeit, des Kampfes“ betitelt. Meine absoluten  Favoriten sind hier drei Tuschzeichnungen des Comic-Künstlers Nash.

„Was ist das Meer?“ ist Thema des roten Raumes. Das Verhältnis Meer-Mensch und die durch den Menschen geschaffenen Gefährdungen werden unter anderem mit Fotos betrachtet.

In einem kleinen Nebenraum finden sich Originaldokumente aus dem 1. Weltkrieg, unter anderem eine Feldpostkarte von der Westfront aus dem Sommer 1914 mit dem Meer als Motiv. Ein deutlicher Hinweis auf die kommende Ausstellung im Otto-Pankok-Museum, die sich mit dem 1. Weltkrieg auseinandersetzen  wird.

Der Besuch der Austellung ist  lohnenswert und zudem eine Anerkennung für die bemerkenswerte Arbeit der ehrenamtlichen Ausstellungsmacher. Öffnungszeiten sind samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr und mittwochs von 15.00 bis 17.00 Uhr. „La Mer“  läuft bis  zum 24. August.

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Jahresrückblick 2013 (Teil I): Aktuelle Baustellen

Das Motto meines lokalpolitischen Jahresrückblicks in drei Teilen sind „Baustellen“. Der selbstverständlich subjektive und nicht vollständige  Jahresrückblick 2013 startet heute mit Anmerkungen und Fotos vom Tage zu den aktuellen Baustellen in der Stadt: Soziokulturelles Zentrum, Sporthalle, Baugebiet, Einzelhandelszentrum, Ochtruper Straße. An den kommenden Sonntagen geht es dann weiter mit den abgeschlossenen Bauprojekten und den künftigen Baustellen. In allen Folgen geht es um genau fünf ausgewählte Projekte. Und mit „Baustellen“ sind nicht nur Gebäude- und Flächenentwicklungen gemeint, auch soziale und kulturelle Themen sollen  betrachtet und gewertet werden. Los geht es mit der Baustelle in der Kirchstraße:

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Vielleicht können zur Zeit nur die Aktiven der Kulisse, die Jugendlichen aus der Konzertinitiative, die Macher des Kulturforums und der Kindertheatertage und einige weitere involvierte Leute ermessen, welche Bedeutung das im Bau befindliche Soziokulturelle Zentrum für die Einwohnerschaft haben wird. Das kulturelle Leben in der Stadt dürfte erheblich lebendiger, vielseitiger werden. Die Rahmenbedingungen für Theater, Konzerte, Lesungen und sogenannte Kleinkunst werden erheblich verbessert. Ich erwarte mehr Veranstaltungen und mehr Zuspruch in attraktiveren Räumlichkeiten. Und ein weitere Aspekt ist zukunftsweisend: für die verschiedenen Ziel- und Altersgruppen gibt es neue Ansätze und Möglichkeiten, es ist ein generationsübergreifendes Konzept! Für eine Stadt in unserer Größenordnung alles andere als selbstverständlich.

Die neue Sporthalle am Burggymnasium steht im Rohbau. Für den Schul- und auch Vereinssport brechen nach der Schließung der Marktstraßenhalle und Sanierungsmaßnahmen an den Hallen am Schürkamp und in Gildehaus wieder bessere Zeiten an. Der Schulsport und somit unsere Kinder profitieren also nicht nur vom neuen Hallenbad im Badepark, sondern jetzt auch von einer neuen Halle. Kritisch sehe ich die Finanzierung des Bauherrn Landkreis mit einem PPP-Projekt, also mit privaten Partnern. Ob das auf lange Sicht wirklich günstiger für die öffentliche Hand, für uns alle also, wird?

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Das Einzelhandelszentrum „Schlossparkcenter“ an der L 39 bzw. Marktstraße wächst zur Zeit rasant. In Gesprächen und in Foren ist immer wieder die Rede von Konkurrenzsituationen mit dem Innenstadtbereich. Vergessen wird dabei, dass bereits in der Planungsphase einvernehmlich mit der Interessenvertretung der Innenstadtkaufleute (BBI) kooperiert wurde. Und natürlich werden die behördlichen Auflagen zu den genehmigten Verkaufsflächen und den anzusiedelnden Branchen im Einkaufscenter eingehalten. Um die aus der Innenstadt abwandernden Unternehmen und deren Geschäftsräume wird sich ebenfalls niemand sorgen müssen, denn die frei werdenden Geschäftsflächen werden rasch wieder belegt werden. Und einen Punkt sollten wir auch in Jahren nicht vergessen: eine neue und moderne Grundschule für viele Schülergenerationen konnten wir Bentheimer nur bauen, weil wir die Flächen für das Einkaufscenter gut verkaufen konnten. Also alles gut? Fast, denn eine vergleichsweise kleine Sorge bleibt bei mir  hinsichtlich der Gestaltung und des städtebaulichen Gesamtbildes am Rande des Schlossparks und der Allee Funkenstiege. Warten wir es ab,  Fortsetzung folgt.

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Die Ochtruper Straße als langjähriges Sorgenkind der Stadt erfährt erhebliche Aufwertung durch die noch laufende Renovierung des ehemaligen Franziskushospitals und der benachbarten Gebäude. Wenn dann auch noch die öffentlichen Flächen und insbesondere der Straßenraum neu gestaltet werden, wird ein wesentlicher Beitrag zur Innenentwicklung der Stadt und zum Wohnen im Zentrum geleistet. Möglich geworden nur durch die Förderung aus dem Städtebauförderprogramm und ein gewichtiges Argument gegenüber Stimmen, die die Ausweisung von Neubauflächen einseitig kritisieren und im gleichen Atemzug auf die fehlende Bestandspflege für das Wohnen im Zentrum verweisen. Im Gegensatz zur Vergangenheit sind solchen Projekte wie am Franziskushospital und am Amtsgericht durch das städtische  Engagement möglich geworden und weitere Initiativen werden folgen (müssen). Das Bauen von Einfamilien- und Reihenhäusern muss daneben gerade mit Blick auf junge Familien weiterhin möglich sein. Die Bautätigkeit an der Südstraße auf den Flächen der früheren Höfe Rolink und Bannecke verdeutlicht den Bedarf. Nur das Tempo und der Flächenbedarf im Außenbereich muss künftig differenzierter betrachtet werden .

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Und um sachliche und fundierte Betrachtung der gelungenen Projekte im ablaufenden Jahr werde ich mich auch am nächsten Wochenende bemühen. Unter anderem soll es ums Ärztehaus und um das historische Zentrum in Gildehaus gehen.

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Nichts ist so gut, dass es nicht weiter verbessert werden kann!

Als Attraktion mit hohem touristischem Potential erweist sich am heutigen Pfingstmontag einmal mehr die Gildehauser Ostmühle:

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Mühlenbesichtigung und Backhaus (beides ehrenamtlich betrieben), Gastronomie und schöne Natur am Mühlenberg und im Bürgergarten sind Trümpfe für den Tourismus am Ort und ohnehin immer einen Abstecher wert. Und zusammen mit Geologischen Freilichtmuseum und den Steinbrüchen wird Gildehaus der Auszeichnung als staatlicher Erholungsort gerecht. Die Problembereiche und somit die Areale mit Veränderungspotential liegen doch eher dazwischen, nämlich besonders an der Landesstraße mit den Gewerbeflächen und vor allem als städtebauliche Schneise mitten im Ort.

Stichwort Veränderungs- bzw. Verbesserungsbedarf. Der ist auch an der Ostmühle erkennbar, denn das PKW-Parken auf den Freiflächen südwestlich der Mühle  stört den hervorragenden Gesamteindruck doch enorm und verringert die Aufenthaltsqualität für Fußgänger, spielende Kinder und Picknicker. Und das bei ausreichend freiem Parkraum auf dem Parkplatz!

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Mit Steinen, natürlich aus Sandstein, könnte hier wie auf der anderen Straßenseite für Abhilfe gesorgt werden. Es ist nun einmal nichts  so gut, als das es nicht weiter verbessert werden kann! Und das sollte nicht nur für vergleichsweise kleine und kleinste Projekte am Ort  gelten. Soviel Anspruch sollte schon sein!

 

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