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Zukunft Radverkehr! Gilt das auch für Bad Bentheim?

„Ein vergleichsweise gutes Rad- und Gehwegenetz ist bereits vorhanden. Es sind aber punktuelle Verbesserungen möglich und sinnvoll“, lesen wir in der Fortschreibung des „Stadtentwicklungskonzeptes Bad Bentheim 2035“ aus dem Jahr 2019. Und in den konkreten Zielen und Maßnahmen wird als Leuchtturmprojekt ein neu zu erstellendes Radwegekonzept aufgeführt. In der Tat wurden in den vergangenen Jahren einige wichtige Projekte für den verbesserten Radverkehr in unserer Stadt in Angriff genommen. Dazu gehört an erster Stelle der überfällige Ausbau der Gildehauser Straße zwischen Tennishalle und Tonino. Und auch für den immer wichtiger werdenden Radtourismus wurde beispielsweise mit der Einführung des Knotenpunktsystems die Basis verbessert.

Und das vom Stadtrat im Stadtentwicklungskonzept angeforderte Radwegekonzept? Es liegt jetzt vor, wird in der kommenden Woche präsentiert und lässt aus meiner Sicht auf 61 Seiten und mit 231 konkreten Maßnahmenvorschlägen wenige Fragen offen. Auf der Grundlage von Bestandserhebungen mit Analysen beispielsweise zum Unfallgeschehen, Verkehrszählungen und Bürgerbefragungen werden Handlungsbedarfe definiert. Es werden insgesamt 5 Pendlerrouten herausgearbeitet, dazu Basisrouten für den Schüler- und Einkaufsverkehr und ein Verdichtungsnetz zur Abrundung des Gesamtnetzes. Dazu werden die notwendigen Verbesserungen in der Infrastruktur von den Abstellanlagen bis zur Wegweisung genannt. Schon bei der ersten Sichtung lässt sich feststellen, dass die Einbindung des Planungsbüros VAR+ aus Darmstadt eine gute Wahl war und nunmehr eine Top-Basis für die Arbeit in den nächsten Jahren vorliegt.

Denn mit qualifizierten Konzepten allein kommt man nicht weiter, die Umsetzung muss in sichtbaren Teilschritten unverzüglich folgen! Die Verkehrswende, in der der Radverkehr eine nicht geringe Rolle spielen soll, muss gerade an der Basis, in den Kommunen vorankommen. Elektromobilität, ÖPNV mit reaktiviertem Schienenverkehr und eben das Radfahren sind dabei wichtige Elemente.

Nicht wenige Radaktivisten träumen auch in der Grafschaft von Radschnellwegen, wie sie an anderen Orten vorbildlich geschaffen wurden. Zwei wesentliche Hindernisse, oder sagen wir lieber „Herausforderungen“, sehe ich dabei:

  • Viele Radschnellwege verlaufen auf ehemaligen Bahntrassen. So zum Beispiel zwischen Ochtrup und Wettringen. Diese Strecke habe ich vergangene Woche mit Freunden befahren (siehe Foto) und wir waren davon sehr angetan. Wir verfügen in Bentheim zwar über eine geeignete Bahntrasse, nämlich zwischen Bahnhof Nord und Munitionsdepot. Diese wird aber hoffentlich im Verlauf der Verkehrswende noch eine wichtige Rolle spielen, nämlich als Strecke zur Anbindung des Bentheimer und Grafschafter Bahnnetzes an das Netz in NRW. Nach der Reaktivierung der Strecke Neuenhaus – Coevorden wird dieses Projekt hoffentlich endlich die volle Aufmerksamkeit der Politik, Verwaltung und Unternehmen finden. Eine Bahntrasse steht also nicht zur Verfügung und so müssen bei der Umsetzung von Pendlerstrecken realistischerweise Abstriche an den Qualitätsstandard „Fahrradschnellweg“ gemacht werden.
  • Der Ausbau der Radinfrastruktur wird teuer. Fördermittel müssen hierzu eingesetzt werden. Das wird einmal Zeit in Anspruch nehmen und vor allen Dingen stehen diese Verkehrsprojekte neben den herausfordernden Bildungs- und Sportprojekten in unserer Stadt. Schulneubauten bzw. Schulerweiterungen und Sporthallenbau sind die Stichworte. Der Stadtrat wird weiterhin Prioritätenlisten führen und Verkehrsprojekte im Sinne des Radverkehrskonzeptes einbauen müssen, wenn es nicht bei Absichtserklärungen bleiben soll. Respekt für unsere ehrenamtlichen Stadtratspolitiker, die viel Zeit, Kompetenzen und oft auch Geduld in diese Arbeit investieren. Und ob die Stadtverwaltung den Maßnahmenkatalog personell umsetzen kann?

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Oh, wie ist das schön!

„Wunderschöne Rad- und Wandertouren“ gibt es in und um Bad Bentheim zu erleben, lesen wir auf der touristischen Homepage unserer Stadt. Das ist aus meiner Sicht nicht untertrieben. Fazit fast jeder Wanderung und jeder Fahrradtour in der Obergrafschaft und in der Gegend de Lutte/Losser: Wunderschön, wenn man überdimensionierte Mastställe und endlose Maisfelder mal ausblendet. Meine aktuellen Highlights sind der Bentheimer Wald (Fotos 1 -3) und das deutsch-niederländische Grenzgebiet (Fotos 4 + 5) auf niederländischer Seite:

Spaß macht Radtouristen und hiesigen Radfahrern gleichermaßen die in den letzten Jahren so hervorragend ausgebaute Infrastruktur. Das Knotenpunktsystem und fast immer die Wegeführung und Wegebeschaffenheit sind absolute Pluspunkte. Von den niederländischen Nachbarn haben sich unsere Touristiker abgeguckt, wie es geht. Gleichwohl gibt es gerade mit Blick zu den Nachbarn noch nicht ausgeschöpftes Potential. Gutes kann man immer noch besser machen, meine ich.

Und wer mal Zeit und Lust auf eine gemeinsame kleine E-Bike-Tour in unserer schönen Landschaft hat, kann sich gerne bei mir melden.

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Der Erbe Eulenspiegels in Bad Bentheim

Bereits vor über 60 Jahren gründeten Bentheimer Jugendverbände den Stadtjugendring Bad Bentheim. Seine Aufgabe war es, als Dachorganisation gemeinsame Interessen gegenüber Stadt, Landkreis und Gesellschaft optimal vertreten und durchsetzen zu können. Es wurden Fördergelder eingefordert, bewilligt und in Selbstverwaltung an die angeschlossenen Vereine und Gruppen, darunter die Jugendabteilungen der Sportvereine und konfessionelle Jugendgruppen, verteilt. Daneben organisierten die wechselnden Vorstände vereinsübergreifende Veranstaltungen. Das waren beispielsweise Podiumsdiskussionen zu jugendaktuellen Fragen und vor Kommunalwahlen, politische Bildungsreisen in die DDR, Protestaktionen wie hier im Oktober-Blog von Wilhelm Hagerott beschrieben, Rockfestivals oder der Einsatz für ein Jugendzentrum. Ab Mitte der 1980er-Jahre erweiterte der SJR das Veranstaltungsangebot für Bentheimer Kinder und Jugendliche in einem Ausmaß, dass die Stadt Bad Bentheim ab 1991 eine hauptamtliche Stelle als Stadtjugendpflege einrichten musste, um das Programm fortsetzen zu können. Es ging um Angebote wie den 1986 eingeführten Ferienpass, die Stadtranderholung, jährliche Fahrten in die DDR, Kindertheaterreihen, Jugendkulturfeste auf dem Herrenberg, Filmvorführungen und jugendkulturelle Angebote wie zum Beispiel Autorenlesungen. In bester Erinnerung geblieben sind mir zwei Lesungen mit Winfried Bornemann, auf die ich heute zurückblicken möchte.

Bornemann, ein Lehrer aus Georgsmarienhütte, erfreute sich in den 80er-Jahren und auch später noch großer Bekanntheit und Beliebtheit in der Bundesrepublik. Seine Bücher tauchten regelmäßig in den einschlägigen Bestsellerlisten auf, Zeitungsartikel zu seinen neuesten Realsatiren sorgten landauf und landab für beste Unterhaltung, es gab sogar eine Fernsehserie. Auch der Vorstand des Stadtjugendrings lachte über seine Realsatiren und wollte ihn unbedingt nach Bad Bentheim holen. Vermutlich habe ich seinerzeit telefonisch Kontakt aufgenommen, ihn eingeladen und den Termin und die Gage vereinbart. Jedenfalls entstieg am 20. Februar 1986 ein freundlicher, vollbärtiger Herr mittleren Alters seinem Volvo und nahm an einem Tisch, der mit meiner Schreibtischlampe und einem Glas Wasser vorbereitet war, auf der Bühne des Gemeindehauses der altreformierten Kirchengemeinde in der Heerestraße Platz. Viele Interessierte waren gekommen. Es hatte sich bis Bentheim herumgesprochen, dass Bornemann Briefe an Prominente, Firmen und Behörden schreibt und diese sich in ihren Antworten fast ausnahmslos als naive, habgierige und/oder besonders dämliche Zeitgenossen entpuppen. Einige Beispiele:

  • Der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie bot er zur Markteinführung ein Operationsbesteck für Camping und Freizeit an, da er als Hobbychirurg damit bereits seine Freunde und Bekannten den Blinddarm oder die Gallenblase entfernt hätte.
  • Dem Anglerverband empfahl er, in trübem Wasser Glühwürmchen an den Haken zu nehmen.
  • Unter dem Pseudonym „Gyselda von große Tytten“ fragte er beim Papst an, ob er sich denn schon einmal Gedanken darüber gemacht hätte, dass er heute, wäre er in Saudi-Arabien geboren, ein führender Mueszzin wäre. Bornemann erhielt schriftlich den Apostolischen Segen.
  • Der EG-Kommission bot er seine gezüchtete „Bonsai-Kuh“ an, mit der er helfen wolle, den Butterberg abzubauen.

Zwei Jahre nach seinem ersten Gastspiel konnten wir Bornemann erneut in Bentheim begrüßen. Am 4. Februar 1988 war im ehemaligen reformierten Gemeindehaus in der Kirchstraße, heute Treff 10, der Tisch mit obligatorischer Schreibtischlampe und Wasserglas vorbereitet. Bornemann präsentierte unter anderem sein Buch „Fehlanzeigen – Verrückte Inserate, starke Antworten“. Auch hier einige Beispiele:

  • Bundesminister sucht Brieffreundin, die auch Interesse an Politik hat. Chiffre…
  • Argumente gegen die 35-Stunden-Woche von Unternehmer gesucht. Chiffre…
  • Frührentner lobt ihre ärztliche Kunst in ihrem Wartezimmer gegen Honorar (Deutsches Ärzteblatt 17.2.86)

Fast unglaublich sind die teils bierernsten Antworten. Dem Publikum gefiel es damals! Neugierig geworden? Die Bücher gibt es noch antiquarisch zum Beispiel über die einschlägigen Adressen wie booklooker, medimops usw. für kleines Geld zu kaufen.

Bei der Lesung im Februar 1988 stellte der „Till Eulenspiegel der Literatur“ (Die Zeit) seine frisch erschienene Sammlung von Briefen unter dem Titel „Glanz & Gloria – Eine Brief-Aktion mit internationalen Prominenten“ vor: Als alte Dame von Adel unter den Namen „Carola von Gästern“ alias „Gerda von Nussink“ (engl. nothing) schrieb Bornemann zig Prominente aus aller Welt an und bat sie, ihr Alleinerbe zu werden. Man mag es kaum glauben, aber Hundertschaften von Prominenten beißen darauf an und antworten ernsthaft. Die alte Dame hat ja auch so liebevoll ihr Erbe angeboten: „….. Es wäre eine große Freude, wenn Sie diese Erbschaft (ein beträchtliches Vermögen) nach meinem Ableben annähmen. Ich hoffe sehr, daß es Ihnen mit dieser Hilfe möglich sein wird, Ihr bedeutendes Werk noch intensiver fortzusetzen. Ihre ergebene G.v. Nussink.“ Einige Antworten:

  • Ihre Großzügigkeit….ist erstaunlich, aber falls dies ihr Wunsch ist und Sie sicher sind, daß dies ist, was sie wollen, wäre es mir ein Vergnügen und eine Ehre zu akzeptieren. (Liza Minelli)
  • Was halten Sie von der Idee, wenn mein persönlicher Vertreter Sie in der Zwischenzeit besuchte, um mit Ihnen über Ihre Vorstellungen zu sprechen? (George Harrison)
  • Ich reise sehr viel, und es könnte sein, daß wir uns persönlich treffen können. Sie sind schon jetzt ein Teil des täglichen Gebetes von mir und meiner Frau Shirley geworden. (Pat Boone)
  • Ich verehre Sie und ich akzeptiere alles, denn ich habe ein große Familie (Marlene Dietrich)
  • …setze Sie davon in Kenntnis, daß ich entsprechend den heute…gültigen Gesetzen akzeptiere, Ihr Universalerbe zu werden. (Alain Delon in seinem dritten Brief an Gerda von Nussink)
  • …Vielleicht geben Sie mir Ihre Telefonnummer, damit wir dies im Detail besprechen können… (Idi Amin)

Mit etlichen gierigen Promis entwickelte sich eine rege Korrespondenz. Allerdings kamen einige „Erben“ dem Urheber auf die Schliche: Andre Heller antwortete, auf ihm lastete schon das ganze österreichische Kulturerbe, da könne er kein zweites dazunehmen. Und Udo Lindenberg erklärte, Geld mache nicht glücklich, und er sei schon unglücklich genug.

Glücklich war an beiden Abenden das Publikum und zufrieden war auch der Stadtjugendring seinerzeit mit der guten Resonanz auf diese Angebote. Ob sich dafür auch heute noch ein Publikum finden würde?

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Winter im Hutewald

Bentheim im Schnee, das ist ein seltener Anblick. Der Schlosspark mit Rodelhang oder die Burg von der Schlossstraße aus sind die bekannten Motive. In jedem Fall einen ausgedehnten Winterspaziergang wert ist gleichwohl der Hutewald nördlich der Fachkliniken:

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Der Fall Angelika

In den Tiefen des Archivs, im Aktenordner mit den Wasserflecken auf der Pappe, ganz hinten in der letzten Kiste auf dem Dachboden oder als Unterlage im Karton mit Weihnachtsdeko tauchen sie auf: längst vergessene Fotos, Dokumente, Tickets oder auch Zeitungsartikel. In den nächsten Monaten werde ich einige Erinnerungen meiner „Bentheim-Blog“-Leser auffrischen und an längst vergessene, nur verdrängte 😉 oder eben zeittypische Ereignisse erinnern. Ein Artikel aus den Grafschafter Nachrichten vom 22. April 1972 ist ein prima Beispiel für eine Begebenheit, die sich so wohl glücklicherweise (!) nur vor 50 Jahren ereignen konnte.

„Gretna Green“, an den Namen der schottischen Gemeinde können sich Ältere möglicherweise noch erinnern. Blitzhochzeiten ohne lästige Aufgebote, vor allen Dingen ohne Altersgrenzen und neugierige Nachfragen waren dort möglich. Promis und weniger bekannte junge Leute aus ganz Europa wussten das zu schätzen. Joschka Fischer (damals 19 Jahre alt) gehörte dazu, die Schauspielerin Susanne Uhlen (damals 16 Jahre alt) ebenfalls.

Angelika (17) aus München und ihr Freund Adolf (18) aus Österreich wollten „wohl einfach nur zusammen sein“ (U.L.). Doch „Mutti“ hatte etwas gegen den „Ex-Gammler“ Adolf. Eine Hochzeit in Gretna Green sollte die Lösung sein. Die Reise per Anhalter und mit der Bahn endete bereits in den Niederlanden. Es folgte die Überstellung an die deutschen Behörden und ein unfreiwilliger Aufenthalt in der Obhut hiesiger Behörden. Davon bekam unsere Lokalzeitung Wind und berichtete bis Ohne und Laarwald vom Traum langhaariger Münchener Jugendlicher nach Freiheit und Unabhängigkeit. Ein etwas despektierlicher und daher aus heutiger Sicht unangenhmer Ton („Sonntag gibts Brathähnchen) schleicht sich in den Bericht. Ein 17- jähriges Mädchen zunächst in Polizeiarrest und dann unter Aufsicht des Jugendamtes in einer Zelle (!) für ein Wochenende einzusperren war gar nicht lustig. Das Zitat „Hoffentlich steckt mich Mutti jetzt nicht in ein Erziehungsheim“ spricht für sich.

Die beiden Liebenden haben hoffentlich ihr Glück gefunden, auch wenn Gretna Green nicht die Lösung war. Wir werden es nicht erfahren……….

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Indian Summer – Grafschafter Herbst

Auch der Herbst hat schöne Tage! Gelegentlich Nieselregen, tagelang keine Sonne, fallende Temperaturen: alles kein Grund für schlechte Laune, sofern man die heimische Heizungsluft mit Frischluft im Garten, im Park oder im Wald tauscht:

Foto 1: Bentheimer Hausgarten

Foto 2: Arboretum de Lutte

Foto 3: Bentheimer Wald.

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Auf ins Erlebnistheater!

„Wann haben Sie sich zum letzten Mal zwei Stunden amüsiert und gelacht? Dann besuchen Sie eine unserer Aufführungen! Freuen Sie sich auf großes, spritziges und kurzweiliges Boulevardtheater, dargeboten von einem glänzend aufgelegten Ensemble!“

Mein Fazit vorweg: Das Programmheft der Bad Bentheimer Kulisse verspricht keineswegs zuviel!

Eigentlich hätte ich nicht gedacht, nach den Erfahrungen aus Kindertagen, nämlich den schwarz-weiß-TV-Aufzeichnungen aus dem Ohnesorg-Theater, Zeuge einer Liveaufführung eines jener Schenkelklopfer (Tratsch im Treppenhaus) zu werden. Und doch wurde es gestern wahr. Nicht Heidi Kabel, nicht Henry Vahl, sondern das Ensemble der Kulisse ist verantwortlich für einen lustigen, wirklich kurzweiligen Theaterabend, den ich hiermit wärmstens weiterempfehlen möchte. Wer noch eine Karte ergattern kann, sollte zugreifen!

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Lesen…

…. hat Konjunktur und besonders das Sachbuch erfreut sich wachsender Beliebtheit. Das ist in Zeiten von Fake News, Verschwörungstheorien und dergleichen eine positive Entwicklung. Sachliche Informationen helfen nun einmal, die Flut der Nachrichten und das Weltgeschehen besser einordnen zu können. „Lesefähigkeit legt die Basis für Bildungskarrieren und für die Resilienz der Demokratie“, sagte die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kürzlich laut NOZ und weiter: „…verwies auf die Effekte nachlassender Lesekompetenz. Dies führe zu geschwächter Immunresrsistenz beim Angriff populistischer Erreger“. Die erschreckenden Ergebnisse neuer Pisa-Studien lassen da nichts Gutes erwarten.

Sogar die Lokal(!)-Redaktion der Grafschafter Nachrichten nimmt die Eröffnung der Frankfurter Buchmesse zum Anlass, ganzseitig Buchempfehlungen der einzelnen Redakteure abzuliefern. Gut, kann man machen. Ich würde es allerdings vorziehen, wenn die Lokaljournalisten (wieder) vermehrt aus den Rathäusern sowie dem Kreishaus berichten würden und mit Berichten, Kommentaren und Interviews die Brücke zwischen Lokalpolitik und Einwohnern der Städte und Gemeinden herstellen würde. Es ist schon auffällig, dass sich in den letzten Jahren die Lokalreporter eher selten bei Ausschuss- und Ratssitzungen sehen lassen und entsprechend auch nicht fundiert darüber schreiben können. Schade drum, denn Demokratie setzt auch vor Ort gut informierte Bürger voraus! Aber damit will ich natürlich nichts gegen Literaturempfehlungen von Lokalreportern sagen, wohl aber über den Informationsgehalt und die Qualität des Lokalteils der Grafschafter Nachrichten.

In einem Kommentar in der NOZ am 18.10.2023 hebt Stefan Lüddemann die Sehnsucht der Leserinnen nach vertiefter Information hervor:“……Weil das Buch weiterhin den Goldstandard der intellektuellen und künstlerischen Wortmeldung darstellt. Weil es Erwartungen weckt, die digitale Medien nicht auf sich ziehen, Erwartungen von Qualität, Tiefe und Nachhaltigkeit.“

Ein hervorragendes Beispiel ist Reinhold Beckmanns Buch „Aenne und ihre Brüder – Die Geschichte meiner Mutter“. Beckmann erzählt und dokumentiert die Geschichte seiner Familie und besonders seiner Mutter Änne. Vier Brüder hat sie im zweiten Weltkrieg verloren. Es ist ein Buch gegen das Schweigen über den Krieg. Und es ist „ein Buch über die Verwüstungen des Krieges“, schrieb „Die Zeit“.

Kürzlich konnte ich im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals Reinhold Beckmanns Buchpräsentation im Thalia-Theater erleben. Unterstützt wurde er dabei von Joachim Gauck, dem ehemaligen Bundespräsidenten und Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, der die Präsentation und Lesung mit eindrucksvollen Worten begleitete. So erinnerte Gauck an die Verstrickungen der Menschen in das verbrecherische nationalsozialistische System. Reinhold Beckmann (Jahrgang 1956) beschrieb seine Jugendzeit und sein wachsendes Interesse an Familiengeschichte und seine drängenden Fragen an die Eltern- und Großelterngeneration. „Das willst du nicht wissen. Frag nie wieder“, erhielt er als Antwort. Dabei sei ihm viel später, als seine Mutter darüber redete und er die Feldpostbriefe und weitere Dokumente seiner Familie erhielt, klar geworden, wie wichtig die Beschäftigung mit dieser Thematik ist. Nämlich, um Recht und Unrecht unterscheiden und Haltung zeigen zu können.

Es ist ein berührendes und bewegendes, gleichzeitig persönliches Buch, das ich gerne empfehlen möchte. Die Vertonung mit seiner Band unter dem Titel „Vier Brüder“ steht dem nicht nach.

„Das Buch ist so berührend, weil es diese vier jungen Leben so sichtbar macht. Als ob es gestern gewesen wäre. Ja, es war gestern – und ist heute leider wieder so.“ Udo Lindenberg

Reinhold Beckmann, Aenne und ihre Brüder, Propyläen, August 2023

Reinhold Beckmann und Band, „Vier Brüder“ erschienen auf dem Album „Haltbar bis Ende“, 2021, eindrucksvoll live im Deutschen Bundestag (Youtube)

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Das Batavia-Portal in Bad Bentheim

Bentheim hat ein weiteres Highlight zu bieten: das gestern eingeweihte Batavia-Portal:

Das fünfstündige Symposium war der bemerkenswerte, im Grunde unverzichtbare Auftakt zur offiziellen Einweihung. Die außergewöhnliche Geschichte mit der Aufarbeitung der Thematik, vielfältigen Informationen zur Rekonstruktion und zum hervorragenden Engagement mit dem eindrucksvollen Ergebnis standen im Mittelpunkt. Der Kontext mit der Kolonialgeschichte und der Lokalhistorie kamen nicht zu kurz. Die Einweihung selbst war gut organisiert und bot einen einen angemessenen Rahmen mit vielen Gäste.

Der Standort ist meiner Meinung nach sehr gut gewählt und bietet Raum für Kommunikation. Unter anderem sind dort künftig auch kulturelle Veranstaltungen im kleineren Rahmen möglich, sofern Ideenreichtum und Engagement hinzukommen. Ein lang gehegter Wunsch wird so nebenbei auch noch wahr, etliche Diskussionen waren erforderlich.

Ich freue mich, bei Stadtführungen den Besuchern der Stadt an diesem schönen Ort wichtige Aspekte der Stadtgeschichte näher bringen zu können:

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Ein Leben mit der Musik

Peter Urban (75) ist Radio- und Fernsehmoderator, Musiker, Anglist und d e r Experte in Sachen Rock, Pop, Jazz. Kürzlich konnte ich ihn mal wieder live auf der Bühne erleben; diesmal im Rahmen des „Harbour Front Literaturfestivals“ bei der Vorstellung seiner Lebenserinnerungen „On Air“ in der Altonaer Fabrik und damit in einer meiner absoluten Lieblingslocations.

Peter Urban erzählt mit seiner ruhigen, sonoren Stimme von seiner Kindheit in Quakenbrück, seiner Studienzeit in Hamburg, unterbrochen von längeren London-Aufenthalten mit prägenden Erlebnissen in Musikclubs und Szenevierteln und er berichtet von seinen folgenden Karrierestationen. Der Anglist mit Doktortiel („Die Poesie der Rockmusik“/Fischer) wurde mit seiner Moderation in Jugendprogrammen wie beispielsweise „Musik nach der Schule“ und „Der Club“ bekannt. Das waren Sendungen mit großer prägender Bedeutung für Jugendliche der siebziger Jahre. Mit seinem Insiderwissen und feinem Gespür für die Rockmusik und dessen gesellschaftliche Zusammenhänge arbeitete er nicht nur für den NDR, sondern auch schreibend für meine damalige Hauspostille „Sounds“. Bei der Vorstellung seiner Biografie sorgt er mit seinen Erinnerungen und den Anekdoten zu zahllosen, teilweise freundschaftlichen Begegnungen mit Größen aus der Musikwelt von Harry Belafonte bis Bruce Springsteen, von David Bowie bis Keith Richards, für spannende Unterhaltung. Und natürlich gehörten auch Geschichten zu seiner langjährigen Moderation des Europäischen Songcontests dazu. Ein Wettbewerb und eine Veranstaltung, die für mich überhaupt nur mit Urbans trockener Kommentierung samt seines feinsinnigen Humors konsumierbar war.

Glücklicherweise können wir Peter Urban auch weiterhin hören, und zwar in seinem Podcast „Urban Pop“, in dem er uns an seinem enzyklopädischen Wissen über die ganz Großen der Rockmusik und seine persönlichen Erlebnisse mit ihnen teilhaben lässt. „Urban Pop“ kann man streamen (ARD-Mediathek). Übrigens ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass wir den öffentlich rechtlichen Rundfunk unbedingt brauchen, der uns nicht nur, aber auch mit einem so wertvollen Programm versorgt. Die Rundfunkgebühr ist nicht nur für die Grundversorgung mit Nachrichten und Hintergrundinfos, Sport und Unterhaltung, sondern auch für die kulturelle Dienstleistung ein Schnäppchenpreis. 0,50 € am Tag zahle ich gerne dafür und verzichte vollständig auf Bild- und Welt-TV, RTL und andere von Werbegeldern oder von Interessengruppen abhängige Medien.

Als Keyboarder der Hamburger Band „Bad News Reunion“ kenne ich Peter Urban seit Mitte der siebziger Jahre aus Rocknächten im Logo und der Fabrik. Die Songs der Band und deren gelungenen Coverversionen wie Neil Youngs „Like a Hurricane“ oder Dylans „Like a Rolling Stone“ kann man übrigens ebenfalls streamen. Das empfehle ich fast genauso wie die Biografie „On Air“ und ganz besonders den Podcast „Urban Pop“.

„On Air“, Rowohlt Verlag, 2023

Urban Pop, http://www.ardaudiothek.de + div. Streamingportale

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