Rettet den Vorgarten

In Grafschafter Gewerbegebieten wird es wohl demnächst einige Baumpflanzaktionen geben.  Stadtverwaltungen haben angekündigt, Gewerbebetriebe an ihre Verpflichtung zur Grundstücksbegrünung erinnern zu wollen. Eine gute Entwicklung, finde ich.

Aber wie sieht es eigentlich in unseren dörflichen und städtischen Wohngebieten mit der Grundstücksbegrünung aus? Schließlich sind auch hier Grundstückskäufer zumindest in den letzten Jahrzehnten  per Kaufvertrag verpflichtet worden, einheimische Gehölze zu pflanzen. Ein Blick in etliche Vorgärten bestätigt die Vermutung, dass sich eine wachsende Zahl der Anwohner wenig um diese Pflichten kümmert. Stattdessen steht ein (vermuteter) geringer Pflegeaufwand im Vordergrund. Anders lassen sich die  Kies- und Schotterflächen an den Häusern nicht erklären. Und als wäre die ökologisch katastrophale Verschotterung der Vorgärten  nicht ausreichend, werden auch noch Kunststoffzäune gezogen, wo vorher Hecken standen oder die nicht minder unansehnlichen Holzpalisadenzäune die Wohnviertel  unansehnlich „veredelten“. Inseln des Grauens sind für mich diese Grundstücke (siehe dazu die beiden Fotos) inmitten von Quartieren, die  überwiegend (noch) durch natürliche Grünflächen geprägt sind!

Schon vor Jahresfrist hat der „Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V.“ die Initiative „Rettet den Vorgarten“ ins Leben gerufen. Die Initiative soll dazu führen, dass Hausbesitzer den Wert der Fläche vor dem Gebäude für sie selbst, aber auch für die Nachbarschaft, die Atmosphäre  im direkten Lebensumfeld und das Stadtbild wieder schätzen lernen und mit Pflanzen gestalten wollen. Für mich gehören Rasenflächen, Bäume, Gehölze, Blühsträucher, Stauden und vieles mehr dazu, damit unsere Straßenzüge mit Grün lebendig und freundlich wirken.  Und natürlich bieten solche Gärten dringend benötigte Nahrung und wichtigen Lebensraum für Vögel und Insekten. Plastikzäune und Schotterflächen sind auch nicht in der Lage, Feinstaub zu binden, die Luft zu reinigen und Sauerstoff zu produzieren.

Nur auf Einsicht der Kies- und Zaunfans zu hoffen ist nicht ausreichend, um den Trend zu stoppen oder umzukehren. Gezielte Informationskampagnen, Öffentlichkeitsarbeit und konkrete Unterstützung bei der Planung und Umsetzung sind erforderlich. Die Kommunen beschreiten mit den eingangs beschriebenen Aktionen in Gewerbegebieten sicher den richtigen Weg. Und die Stadt Bad Bentheim wird mit Unterstützung der „Aktion Stadtgrün“ in den nächsten Jahren bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes –hier zwischen Kurbad und Stadt-  einen großen Schritt weiterkommen. Wir private Grundstücksbesitzer sind nicht weniger gefordert. Der Frühling steht vor der Tür.

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Auch wenns brennt: Männliche und weibliche Gefangene sind tunlichst getrennt zu halten!

Vor genau 119 Jahren, im Februar 1900, wurde das Amtsgericht in der Schüttorfer Straße nach gut zweijähriger Bauzeit in Betrieb genommen. Jeder Bentheimer kennt das markante Gebäude, das neben dem Gericht Wohnräume für den Amtsrichter sowie ein Gefängnis beherbergte.  Seit einigen wenigen Jahren erstrahlt das Gebäude als eines der gelungensten Beispiele für die Innenstadtsanierung im neuem Glanz. Wenig bekannt ist dagegen die Existenz des alten Amtsgerichts in der Wilhelmstraße, das bis 1900 in Betrieb war und ebenfalls ein Gefängnis aufwies. Und zu diesem Gefängnis gibt es Seltsames zu berichten.

Wilhelm Hagerott (sen.) ist es zu verdanken, das eine „Feuerordnung“ für das Gefängnis überliefert wurde. In seinem Beitrag „Über das Amtsgericht in Bentheim“ im Bentheimer Jahrbuch 1982 (Verlag Heimatverein der Grafschaft Bentheim e.V.)  werden die 13 Paragraphen der Feuerordnung zitiert, die am 18. Juni 1887 durch den Polizeidiener Deters „durch wörtliche Vorlesung“ bekannt gemacht wurden.

Diese Feuerordnung ist aus heutiger Sicht ein typisches Beispiel bürokratischen Ordnungswahns in einem  Obrigkeitsstaat. Natürlich kann man darüber kräftig schmunzeln und herzhaft lachen. Andererseits kann man in diesem Schriftstück auch einen Geist entdecken, der in die großen Katastrophen des anbrechenden Jahrhunderts mündete. Hier ist die Bentheimer Feuerordnung, die „Instruktion für die Gefängnisbeamten beim Ausbruch eines Feuers“:

§ 1

Bei Ausbruch eines Feuers im Gefängnis oder in gefährlicher Nähe desselben begeben sich der Gefängnisvorsteher und der Inspektor in das Gefängnis.

§ 2

Bis zur Ankunft der in §1 benannten Beamten hat der Gefangenenaufseher die nach Lage der Sache gebotenen Anordnungen zu treffen, insbesondere an die anwesenden Gendarmen und Polizeidiener das Ersuchen um Sicherung und Bewachung der Gefangenen zu richten.

§ 3

Der Gefangenenauffseher hat den in § 1 benannten Beamten von dem Ausbruch des Feuers durch zuverlässige Personen sofort Anzeige zu erstatten und das Königliche Landratsamt sowie die Feuerwehr z.H. des Magistrats zu benachrichtigen.

§ 4

Die Gefängnisbeamten dürfen das Gefängnis bzw. den Brandplatz nur mit Genehmigung des die Leitung habenden Gefängnisbeamten wieder zu verlassen.

§ 5

Die Gefängnisbeamten haben zwar die Löschung eines ausbrechenden Feuers bis zur Ankunft der Feuerwehr mit allen Kräften zu versuchen, hauptsächlich aber die Gefangenen zu sichern und zu bewachen.

§ 6

Bei Gefahr ist der Verschluß der Zellen lediglich durch die Querstange herzustellen, so daß die Riegel zurückgezogen sind. Der Gefangenenaufseher darf sich alsdann von dem Korridor vor den Zellen nicht entfernen.

§ 7

Die Gefangenen sind in den Spazierhof zu führen, sobald das Hauptgebäude oder ein Nachbarhaus brennt; brennt das mit dem Spazierhof zusammenhängende Nebengebäude (Scheune), so sind die Gefangenen in Zelle 1, welche im Erdgeschosse des Hauptgebäudesbelegen, unterzubringen. Genügt das nicht, so erfolgt die Überführung in die Detensionszelle und verfügbare Räume des städtischen Rathauses.

§ 8

Der Gefangeneaufseher hat die Überführung der Gefangenen in den Spazierhof bzw. nach Zelle 1 tunlichst paarweise zu bewirken, indem er in der Mitte geht und bei Fluchtverdächtigen die leicht zu handhabende Handfessel (nicht Handschellen, deren längere Zeit beanspruchen würde) anlegt. Bei der Überführung in das Rathaus bleibt der Gefangeneaufseher bei den noch nicht transportierten Gefangenen zurück, während der Transport selbst durch die Gendarmerie und den Polizeidiener auf sein Ersuchen zu bewirken ist. Der Transporteur hat ebenfalls in der Regel nur 2 Gefangene auf einmal wegzuführen und einem zuverlässigen Wächter, wenn möglich einem Polizeibeamten, bis zur Ankunft des Gefangenenaufsehers zu übergeben.

§ 9

Strafgefangne und Untersuchungsgefangene, Mitschuldige, männliche und weibliche Gefangene sind tunlichst getrennt zu halten.

§ 10

Strafgefangene, welche nicht fluchtverdächtig sind, können zu den Löschungs- und Rettungsarbeiten, so lange die Feuerwehr fehlt, herangezogen werden.

§ 11

Nicht fluchtverdächtige Strafgefangene können, wenn die Bewachung und Festhaltung sämtlicher Gefangenen auf bedeutende Schwierigkeiten stößt, mit der Weisung einstweilen entlassen werden, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt zur weiteren Strafverbßung wieder zu stellen.

§ 12

Nach Rettung und Sicherung der Gefangenen ist auf Rettung der ihnen gehörenden Sachen und des Gefängnisinventars Bedacht zu nehmen.

§ 13

Beim Ausbruch eines nahen Gewitters finden die vorstehenden Bestimmungen entsprechende Anwendung. Während des Gewitters bei nacht sind die Gefangenen zu wecken, sie haben sich anzukleiden und dürfen sich erst nach beendigung des Gewitters auf Anordnung des Aufsehers wieder zur Ruhe legen.

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Die Bentheimer Jugendzentrumsbewegung vor 45 Jahren-Ein Rückblick

Das Unabhängige Jugendhaus feiert in diesen Wochen sein 40jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch! Die Voraussetzungen für die offene Jugendarbeit sind heute besser denn je. Der Treff 10 in der Kirchstraße bietet sehr gut geeignete Räume mit einem Veranstaltungssaal, die Stadt stellt Fachpersonal. Neben der offenen Jugendarbeit haben sich Arbeitsschwerpunkte unter anderem mit der Jugendkulturarbeit (Konzertinitiative Alternation) und der Flüchtlingshilfe entwickelt. Das sind gute Aussichten für die offene Jugendarbeit in Bad Bentheim!

Zurecht feiert der Verein mit dem Gründungsjahr 1978 sein Jubiläum. Der Ruf nach einem Jugendzentrum wurde jedoch schon einige Jahre vorher laut, nämlich ab  1972. Über diese Entwicklungen möchte ich gerne in einem ersten Teil „Die Jugendzentrumsbewegung in Bentheim“ berichten. Im zweiten Teil soll dann der Neustart des Jugendhauses in der Framnziskkusstraße ab 1981 näher beleuchtet werden. Zu beiden Aspekten kann ich aus eigenem Erleben berichten.

Die Jugendzentrumsbewegung in Bentheim

Im Anschluss an die bekannte und oft zitierte 68er-Bewegung entstanden zu Beginn der 1970er-Jahre bundesweit ganz unterschiedliche soziale Bewegungen wie die Dritte-Welt-, Hausbesetzer- und eben auch die Jugendzentrumsbewegung. In der Grafschaft formierten sich die Jugendinitiative Nordhorn (JINOH), in Schüttorf die JISCH und bei uns in Bentheim zunächst der Stadtjugendring als Zusammenschluss verschiedener Jugendorganisationen. Mit dessen Gründung am 1. Juni 1972  wurde das Ziel verfolgt, „Jugendarbeit in Bentheim zu ermöglichen und die Forderung nach einem freien Jugendzentrum durchzusetzen“. Die Stadt stellte tatsächlich zunächst einen kleinen Raum im alten evangelischen Kindergarten zur Verfügung und versprach eine weitergehende Lösung mit dem Mühlenstumpf in der Mühlenstraße neben der Jugendherberge. Der alte Kindergarten  entwickelte sich vor dem Abriss und Neubau der Orientierungsstufe (heute Realschule) tatsächlich zu einem Treffpunkt. Etwa 20 bis 30 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren saß dort regelmäßig in großer Runde beisammen und diskutierten. Ein großer Diskussionskreis als Samstagabendvergnügen! Es wurde Bier getrunken, nach meiner Erinnerung in Maßen. Der Jahreswechsel 1972/1973 wurde dort gefeiert und im März eine Karnevalsfete, die allerdings ein Verbot weiterer Feierlichkeiten wegen Ruhestörung der im Obergeschoss wohnenden Mieter nach sich zog. Bei einer Podiumsdiskussion und einer Jugendringvollversammlung wurden von den Vertretern der Stadt Zugeständnisse gemacht: Der Kindergarten sollte Jugendzentrum werden. Als Knackpunkt kristallisierte sich bereits zu diesem Zeitpunkt heraus, dass es an einer rechtlich abgesicherten Dachorganisation mangelte, da die Stadt selbst unter gar keinen Umständen als Träger fungieren wollte. Ein Lösungswille für diese Problematik ließen die Stadtoberen vermissen. Und Personal hierfür einzustellen war nicht im Vorstellungsbereich von Rat und Verwaltung.

Am 6. Juli 1973 gründete sich dann die Jugendinitiative Bentheim (JIB), um unabhängig vom Stadtjugendring die Forderung nach einem unabhängigen und freien Jugendzentrum durchsetzen zu können. Ich bin immer noch im Besitz des Protokolls dieser Gründungsversammlung, das mittels eines der damals üblichen, mit Spiritus arbeitenden  Matritzendruckers vervielfältigt wurde:

20181202_155025JIB

Zum Auftakt der Gründungsveranstaltung hielt Hans-Dieter Schrader (Abu) ein auch aus heutiger Sicht gelungenes Grundsatzreferat. Thema: „Zum Selbstverständnis einer Initiativgruppe“.  Dem Matritzendrucker sei Dank, denn mir liegt ein blau getränkter gelblicher Zettel  mit diesem Referat vor: „…es ist völlig falsch, die Initiative völlig  durchzuorganisieren…wird spontanes Handeln durch übertrieben bürokratischen Organisationsaufbau sehr erschwert.“ Gleichwohl wird unter Tagesordnungspunkt 2 eine Satzung verabschiedet. Unter 3. wird dann mit Wolfgang Kleinekemper (30 Stimmen ) und 6 weiteren jungen Bentheimern (ausschließlich junge Männer)  mit 13 bis 24 Stimmen ein Vorstand gewählt. In den folgenden 12 Monaten wurde mit allen Mitteln um die Einrichtung eines Jugendzentrums gekämpft. Ein Aufgabenzettel der JIB, der mir als ebenfalls als Matritzendruck noch vorliegt, zeigt es. Hier einige Auszüge: : „1. Öffentlichkeitsarbeit: Flugblätter schreiben, Handzettel schreiben, Presseartikel schreiben, Leserbriefe schreiben, Plakate besorgen. 2. Organisation: Aktionen organisieren, Infostand organisieren, Unterschriftenaktion starten. 3.: Verhandlungen, Gespräche mit der Stadt: Bei Stadtratssitzungen, beim Jugendausschuß, bei Gesprächen mit einzelnen Ratsherrn. Hier müssen permanent und massiv die Forderungen und Ziele der JIB und des Stadtjugendrings zur Geltung gebracht werden. 4. Koordination: betrifft insbesondere Gildehaus und Schüttorf. 5. Bündnispolitik.

Zu den Aktivitäten gehörte auch ein Leserbrief in den Grafschafter Nachrichten im Oktober 1973 unter der Überschrift „Die Treffpunkte der Bentheimer Jugend“. Der Leserbrief der vier 16jährigen Obergrafschafter ist sehr authentisch und ich zitiere ihn daher vollständig und mit einem Augenzwinkern: „Wenn man das Bedürfnis hat, sich am Samstagabend außerhalb des Hauses mit anderen Jugendlichen zu unterhalten, ist man auf kommerzielle Diskotheken oder auf ein kirchliches Jugendheim angewiesen, das man regelmäßig besuchen kann. Abgesehen davon, daß die Preise zu hoch sind (kleines Pils 1,50 DM) ist die eine Diskothek erst ab 18 Jahren zugänglich. Zwar sind die Preise im kirchlichen Jugendheim erschwinglich, doch herrscht auch hier, wie in den beiden anderen Diskotheken der Trinkzwang. Wenn man nichts trinken möchte, wird man vor die Tür gesetzt. Kürzlich wurde bedauerlicherweise gerade im kirchlichen Jugendheim ein Jugendlicher brutal rausgeschmissen, nachdem er versehentlich einen Aschenbecher zerbrach. Wir, und die sich friedlich für ihn einsetzten, bekamen Hausverbot. Wir glauben allerdings, daß dieser Vorfall nicht im Sinne des Pastors war. Da sich den Jugendlichen Bentheims keine andere Möglichkeiten anbieten, ordnen sie sich diesen ungerechten Zwängen unter und besuchen obengenannte Einrichtungen. Wir und mit uns viele andere Jugendliche glauben, daß man einem selbstverwalteten freien Jugendzentrum eine sinnvollere und angenehmere Freizeitgestaltung ausüben kann. Deshalb würden wir die Einrichtung eines FJS sehr begrüßen, und glauben, daß wir im Namen vieler Jugendlicher sprechen. Unterschriften von:

Stephan B., Friedbert P., Manfred F., Wolfgang W.

Weder Leserbriefe, Unterschriftensammlungen, Podiumsdiskussionen und mehr führten zum Erfolg, nämlich einem freien und selbstverwalteten Jugendzentrum. Zitat der JIB im Sommer 1974:  „Wir wollen jetzt endlich den vielen schönen Worten auch Taten folgen sehen. Oder halten es die Bentheimer Politiker (besonders der CDU) nicht für nötig, den Jugendlichen gegenüber ihre Versprechen zu halten?“ Während einige Kräfte aus Verwaltung und Politik mit realen oder vorgeschobenen Argumenten erfolgreich auf Zeit spielten, ebbte das Engagement der Jugendlichen ab. Ausbildung, Studium,  neue Orientierungen  wurden wichtiger. Erst 1978, nachdem sich der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und der damals existierende „Ring Politische Jugend“ (Zusammenschluss Bentheimer politischer Jugendorganisationen) einschalteten, konnte über eine Vereinslösung (UJH) ein Jugendzentrum mit Personal eingerichtet werden.

Was bleibt? Für die Jugendlichen, die heute ins Rentenalter kommen, war es ein  Lehrstück. Gelernt wurde, was in der Demokratie geht, welcher Widerstände es geben kann, wie man seine vermeintlichen oder realen Rechte in die Hand nehmen und durchsetzen kann-oder dies eben zunächst nicht gelingt. Jedenfalls war es selbst organisierte politische Bildung, die Spuren hinterlassen hat und obendrauf eine Jugendkultur, die auch noch Spaß gemacht hat. In jedem Fall war es ebenfalls eine neue Form politischen Engagements, ein Vorgeschmack auf die Anti-AKW- und Friedensbewegung einige Jahre später.

Nachtrag

Frühjahr 2018: Über 80 Bentheimer Schüler/-innen nehmen während der Schulzeit an einem sehr lobenswerten Projekt der Stadt teil.  Bei „Pimp your town“, einem mehrtägigen und professionell moderierten Jugendbeteiligungsprojekt wird Demokratie geübt und gelernt. Herbst 2018: Zwei Ergebnisse des Projekts werden dem Stadtrat zur Verabschiedung und Realisierung vorgelegt: „Mülleimer in öffentlichen Toilettenkabinen in Damentoiletten“ und „Wasserspender oder Trinkbrunnen aufstellen“. Wie sich die Zeiten doch ändern!

 

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ZDFinfo: Region Nordhorn/Bentheim war als Sammelraum der Nationalen Volksarmee vorgesehen

Eine besondere strategische Rolle war unserer Region durch die Militärs des Warschauer Paktes in ihren Plänen zugedacht, denn das Konzept der strategischen Beteiligung beinhaltete (noch) in den 1980er-Jahren auch Offensiven und Präventivschläge auf feindlichen Territorien. Im Zuge einer fünf- bis siebentägigen Offensive sollte die 5. Armee der Nationalen Volksarmee die deutsch-niederländische Grenze zwischen Nordhorn und Enschede erreichen. Drei motorisierte Schützen-Divisionen und eine Panzerdivision sollten diesen Vorstoß unterstützt durch sowjetische, später auch polnische  Divisionen und Regimenter unternehmen. Im Raum zwischen Nordhorn und Bad Bentheim, um Steinfurt herum und nördlich von Bocholt waren Sammelräume für die Divisionen vorgesehen.

Dies und mehr enthüllen detaillierte Offensivpläne des Warschauer Paktes, die durch den NVA-Oberstleutnant Siegfried Lautsch erhalten und später veröffentlicht wurden. Der Hauptangriff der Truppen wäre entsprechend der Angriffsstrategie des Warschauer Paktes in Hessen erfolgt, um die US-Army anzugreifen. NATO-Truppen waren darauf vorbereitet. Atomare Sprengköpfe wären möglicherweise zum Einsatz gekommen.

Ein Horrorszenarium!

„Welt-online“ berichtet in der heutigen Ausgabe zu diesen Plänen unter Hinweis auf den Fernsehbericht „Die sieben Geheimnisse der NVA“, der heute Abend (Freitag 30. November), um 20.15 Uhr bei ZDFinfo läuft und vermutlich in der Mediathek auch später noch verfügbar ist.

https://www.welt.de/geschichte/article184711106/Dritter-Weltkrieg-NVA-plante-Sechstagekrieg-gegen-die-Bundesrepublik.html

Welt online:

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Ausstellungen im November

Passend zur Jahreszeit laden gleich mehrere beachtenswerte Ausstellungen  in unserer Stadt zum Besuch ein:

Im Haus Westerhoff zeigen einige ortsansässige Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten, darunter Manfred Flucht mit einigen farbenfrohen Malereien und Collagen. Die Abteilung „Schweine“ hat jetzt gerade mal Britta Alferink von ihm übernommen:

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Mir gefällt die bunte Zusammenstellung  dieser Ausstellung und natürlich der frische Wind in alten Räumen des Hauses  Westerhoff mit den abwechslungsreichen Ausstellungen und Kreativwerkstätten.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die gerade eröffnete Ausstellung „Mut zum Aufbruch, Malerinnen um 1900, Bremen-Fischerhude-Worpswede“ im Gildehauser Otto-Pankok-Museum:

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Interessant sind die präsentierten Bilder im Kontext mit der Lebensgeschichte der Malerinnen. „Jedes Gemälde erzählt eine eigene Geschichte“, wird dem Besucher versprochen. Und dieser Anspruch wird tatsächlich mit umfangreichen Erläuterungen zur Biografie der jeweiligen Malerinnen erfüllt.

Unbedingt zu empfehlen ist ein Blick auf die 25 besten Bilder eines Fotowettbewerbs der Burg Bentheim: „Das schönste Bild von der Burg Bentheim“. Wer immer geglaubt haben könnte, die Burg sei „abfotografiert“ wird spätestens hier korrigiert. Viele der ausgesuchten Bilder zeigen die Burg entweder aus einer ganz neuen Perspektive oder setzen die Anlage in ein ganz neues Licht. Ein Burgbesuch und eine Besichtigung lohnt sich ohnehin immer, aktuell verbunden mit einem Gang in den zweiten Stock des Marstallgebäudes jedoch ganz besonders. An der Auswahl des „allerschönsten“ Burgfotos kann man sich bis zum 31.Dezember auch beteiligen.

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Das sind drei Ausstellungen ganz unterschiedlicher Art mit Öffnungszeiten an diesem und folgenden  Wochenenden. Dazu gibt es weitere Angebote, so beispielsweise eine neue Ausstellung in der Galerie Fidder in der Ochtruper Straße und natürlich die Dauerausstellung im Museum am Herrenberg.

Alles zusammen ein bemerkenswertes Angebot, das ein optimales, eventuell sogar koordiniertes Marketing verdient, damit viele Besucher die Ausstellungen genießen können und das Engagement der Ausstellungsmacher honorieren.

In jedem Fall gilt: Viel Spaß bei den Bentheimer Ausstellungen im November!

 

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Und noch mehr Herbstbilder

So schön ist unsere Landschaft:  Rapsgelbes Feld am Gildehauser Südhang unterhalb des Bürgergartens und Lavendelblau so weit das Auge reicht südlich des Tüschenbrooks.

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Indian Summer in Bad Bentheim

Anstelle vieler Worte oder eines Hebbel-Gedichts folgen heute in meinem Blog wenige Bentheimer Herbstimpressionen und ein  Liedtext von Jim Morrison (Morrison Hotel/1970). Der hatte möglicherweise den Indian Summer in New England oder auch etwas ganz anderes im Sinn. Melodie und Text passen gleichwohl ideal zum herrlichen Tag:

„……

I love you, the best

Better than all the rest

That I meet in the summer

Indian Summer

….“

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20181014_111904Ferienpark

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Wanderbares Bad Bentheim

Wandern ist angesagt! Bestätigt wird diese Behauptung durch zahlreiche Medienberichte und die bundesweite Aktion „Wanderbares Deutschland“ unterstreicht dies zudem. Und auch in der Grafschaft konnten wir in den vergangenen Jahren den Trend zum Wandern und vor allen Dingen die Bestrebungen zum Ausbau der entsprechenden Infrastruktur verzeichnen. Der „Podagristenpad“ und die örtlichen Wanderwegenetze sind Beispiele für diese Bemühungen, die gleichermaßen begrüßenswert wie ausbaufähig sind. Und jetzt kommt Bad Bentheim mit einem neuen Ansatz, nämlich dem „Wanderbaren Bentheim“. Für die erste Oktoberwoche wurden von der Touristinformation mit Hilfe des VKV etliche Wandertouren angeboten, vermarktet und durchgeführt. Hier folgt nun ein knapper Bericht zur Wandertour „Bentheimer Gold“, die ich am vergangenen Samstag leiten durfte. Bentheimer können so die gut fünfstündige und 16 Kilometer lange Strecke nachvollziehen. Andere Leser aus der Grafschaft lassen sich hoffentlich zu „Ihrer“ Bentheimer Wandertour animieren:

Immerhin 16 Wanderinnen und Wanderer finden sich um 10.00 Uhr zum Start am Sandsteinmuseum ein. Erwartungsgemäß sind es zahlreiche Niederländer, aber auch Gäste aus Westfalen und einige jüngere Grafschafter. Die Wegeführung ist zum Thema „Bentheimer Gold“ vorgezeichnet, nämlich in Richtung „Bentheimer Berge“. Über den Kathagen mit seinen tollen Aussichtpunkten

20181006_102637Kathagen

führt der Weg dann zum Freilichtbühnenvorplatz. Entstehung und Abbau des Sandsteins lassen sich hier an Ort und Stelle besonders gut erklären.

Ein Gang über die geöffnete Freilichtbühne ist ein spannender und nicht alltäglicher Abstecher. Weiter geht´s  über die Franzosenschlucht und bergauf in die „Berge“. Über den Kammweg wird zur ersten Verpflegungspause die vom VKV neu errichtete Wanderhütte erreicht. Der Goldene Oktober und die für hiesige Verhältnisse sehr abwechslungsreiche Wegstrecke tragen erheblich zur guten Laune bei.

20181006_111944Berge

Bergab geht es auf schmalen Pfaden in die Steinbrüche.  Kammweg und Steinbrüche mit ihrem Bewuchs, Tümpeln und Abgeschiedenheit werden nicht nur von den auswärtigen Gästen leicht staunend erlebt. Über den Kleidiek geht es in den Bentheimer Wald und zu einer weiteren Rast beim Waldbauern. Der Schlengelweg führt zum Bad. Und hier sind selbstverständlich viele Infos  (nicht nur) für die auswärtigen Gäste gefragt. Der Weg bringt uns über den Höltingstuhl und die Prinzensteine (ein schöner Platz für eine Pause)

20181006_140412Fürstensteine

in den Langener Wald zum Ferienpark. Auch hier interessieren  Infos. Die restliche Strecke zurück in den Schlosspark mit Zwischenstopp am Ritterstein ist dann nur noch eine Formsache.

Fazit: Die hier beschriebene Tour können wir als Beispiel nehmen für das erhebliche Potential der Stadt und näheren Umgebung für den Wandertourismus, wie auch als toller Ort für die Naherholung der Bentheimer und Grafschafter. Deutlich wird auch die Schutzwürdigkeit zum Erhalt dieser herrlichen Landschaft. Wir haben Besonderes zu bieten: Den Bentheimer Höhenrücken mit der Sonnenterrasse Kathagen und herrlichen Weitblicken, die beinahe einzigartige Freilichtbühnenkulisse, einen Weg über den Kamm des Bentheimer Höhenzuges mit schroffen Felspartien und schmalen Pfaden in Felsschluchten, eine jahrtausendalten Wald, in dem sich kilometerweit ungestört Ruhe und gute Luft genießen lassen, ein Kurbad mit Mineraltherme und Fachkliniken inmitten dieses Waldes und (es muss sich auch unter skeptischen Bentheimern herumgesprochen haben) einen Ferienpark, der sich in die Landschaft einpasst und nicht von ungefähr so gut besucht und benotet wird.

Kurzum mein Fazit, das natürlich eine politische Komponente hat: Allerbeste Voraussetzungen mit zahlreichen Alleinstellungsmerkmalen für eine florierende Wanderregion. Ein absolutes Pfund, mit dem wir wuchern können, und zwar für die Stadt und seiner Bewohner, für die örtliche Wirtschaft, kulturelle Einrichtungen und für die Gäste gleichermaßen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Wort zum (Fußball)-Wochenende

VfL WE Nordhorn : SV Bad Bentheim. Das ist an diesem Wochenende eines von zahlreichen Lokalderbys im Grafschafter Amateurfußball. Oder  wie wäre es mit TuS Gildehaus : GSV Ringe-Neugnadenfeld? Egal, ob 25 oder 250 Zuschauer kommen werden, es sind bescheidene Zuschauerkulissen im Gegensatz zu den Bundesligastadien. 62.000 werden es in der Schalker Veltins Arena sein oder vermutlich 46.000 im Hamburger Volksparkstadion beim Zweitligaknaller HSV : Jahn Regensburg.  Die Begeisterung für den Fußball ist (fast) ungebrochen.

Wer bei diesen Spielen den Glauben daran bewahren möchte, ein Spiel fange mit 0 : 0 an und es folgt ein einigermaßen fairer Wettstreit, der ist zwar bei unseren Grafschafter Lokalderbys gut aufgehoben. Auf gar keinen Fall sollte der gutgläubige Fußballfan eines oder gar beide der  folgenden Bücher lesen:

„Der Abstieg – Wie Funktionäre einen Verein ruinieren“  von Daniel Jovanov (Spiegel Online, TAZ, Die Zeit) und Tobias Escher (Spielverlagerung.de, 11 Freunde) ist erst vor zwei Wochen bei Rowohlt zum Preis von 12,99 € erschienen. Für HSVer ist das Taschenbuch eine Pflichtlektüre und den nicht wenigen HSV-Hassern geht das Herz auf. Aber Vorsicht: Wer sich bisher kaum oder gar nicht mit den Hintergründen und der Vereinspolitik beschäftigt hat oder nur die „journalistische“  Begleitung von Abendlatt, Mopo, Rautenperle & Co. kennt, der wird „seinen“ Verein künftig mit anderen Augen, nämlich wesentlich kritischer  sehen. Beleuchtet wird die Negativspirale der letzten neun Jahre seit den legendären Begegnungen gegen Werder Bremen. Vor allen Dingen der Anteil vordergründig großzügiger Investoren wie dem Logistik-Milliardär K.M.  Kühne, dessen „uneigennützigen“ Beratern Callmund und Struth und natürlich der erhebliche Anteil des aus meiner Sicht leider ungekrönten „King of Disaster“ Dietmar Beiersdorfer wird (entgegen meiner emotionalen Attribute) sachlich und ohne Polemik beschrieben. Fehlentscheidungen sportlicher Entscheidungsträger, personelle und finanzielle Entwicklungen und  eine desaströse Personalpolitik sind weitere Inhalte eines Sachbuchs, das sich wie ein Krimi in wenigen Stunden lesen lässt.

Zur Desillusionierung der Fußballanhänger hat im laufenden Jahr „Football Leaks-Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“ (Spiegel-Buch, 10,00 €) beigetragen. Der Spiegel-Reporter Rafael Buschmann, Michael Wulziger  und weitere 60 Journalisten aus ganz Europa haben die geleakten Dokumente der Enthüllungsplattform aufgearbeitet. Auch dem schon vorher misstrauischsten Fußballfan gehen die Augen über angesichts der hier offenbarten Vertrags- und Vermarktungsdetails, der Machenschaften von Spieleragenten, Vereinsbossen und Profiteuren aller Art. Wir dürfen uns bestätigt fühlen: Spitzenfußball ist hochkorrupt. Vorsicht: Die Lektüre zerstört Illusionen. Liest sich ebenfalls kurzweilig wie ein Krimi.

Mein Tipp: Wer regelmäßig Zeit und Geld für Stadionbesuche oder Sky-Abos ausgibt sollte die eher bescheidenen Kosten und den Zeitaufwand für diese Bücher nicht scheuen. Erkenntnisgewinn mit einem geschärften Sinn für die Realitäten im Profifussball ist garantiert! Garantiert ist auch der Spaß am nächsten Spiel – mindestens auf dem heimischen Fußballplatz.

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Bad Bentheim-Ort der Vielfalt

Seit 10 Jahren bekennt sich die Stadt nach einem Ratsbeschluss im Rahmen der bundesweiten Initiative „Ort der Vielfalt“ zu Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Absolut passend  wurde heute bei einer Kundgebung, zu der alle Ratsfraktionen eingeladen haben, das unmissverständliche Statement bekräftigt und Fremdenfeindlichkeit, Ausländerhass und Rechtsextremismus verurteilt. Sehr erfreulich bewerte ich die große Resonanz, die diese in jeder Beziehung angemessene und gelungene Kundgebung in der Einwohnerschaft fand.

Angemessen waren  die kurzen Wortbeiträge der Fraktionssprecher,  die Musikeinspielungen und der kräftige Applaus aller Anwesenden für die Kernaussage der Veranstaltung. Die Presse und viele Facebookeinträge werden darüber heute und in den nächsten Tagen berichten.

Ergänzend noch ein Zitat von Erich Kästner, auf das mich mein Kreistagskollege Jöne Strenge am Anschluss an die Kundgebung hinwies und das ich hier in meinem Blog als weiteren persönlichen Beitrag nennen möchte: „Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.“

20180902_114913MenschenKundgebung

 

20180902_115711Ort der Vielfalt

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