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Antikriegstag 1. September 1980: Friedensdemonstration in Bad Bentheim

Heute wie vor 43 Jahren ist der 1. September der „Antikriegstag“. Im Spätsommer 1980 habe ich mich nicht in Bentheim aufgehalten. Ansonsten hätte ich als Anhänger der damaligen Friedensbewegung jedoch sicherlich an einer denkwürdigen Veranstaltung zum „Antikriegstag 1980“ in unserer Stadt teilgenommen. Ich habe Wilhelm Hagerott aus Münster gebeten, einen Beitrag darüber zu verfassen. Er war Initiator und verantwortlicher Leiter der Gesamtveranstaltung. Hier sind seine Erinnerungen und einige Dokumente dazu:

„Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall des deutschen Naziregimes auf die Volksrepublik Polen der 2. Weltkrieg. Aus diesem Anlass wird in vielen deutschen Städten der 1. September zur Erinnerung als Antikriegstag  begangen, heute vornehmlich organisiert durch den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

In Bad Bentheim erhielt der Antikriegstag 1980 als Gedenktag ein besonderes Augenmerk. Am Vorabend zum 1. September fand am Sonntag, 31. August 1980 und zum Ende der Sommerferien, eine Friedensdemonstration statt. Der Landkreis Grafschaft Bentheim benannte als zuständige Behörde damals die Veranstaltung in einem  Genehmigungsschreiben  als „Aufzug im Sinne des Versammlungsgesetzes in Form eines Fackelzuges“. In dem Schreiben der Kreisverwaltung wurde insgesamt eine 8 Punkte umfassende Anordnung als Auflage für die Durchführung erteilt:

Organisiert wurde die Veranstaltung von Wilhelm Hagerott vom Vorstand der Grafschafter Jungsozialisten in der SPD. Er schmiedete hierzu ein breites Bündnis von nachstehenden Jugendverbänden, die gemeinsam als Veranstalter auftraten: CVJM Bad Bentheim, Dritte Welt Laden Schüttorf, Jugendzentrum Schüttorf, Jugendhaus Bad Bentheim, DGB Gewerkschaftsjugend Kreis Emsland, Jungsozialisten in der SPD Grafschaft Bentheim, Junge Union Ortsverband Bad Bentheim, Deutsche Jungdemokraten Grafschaft Bentheim.

Die Demonstration begann am Sonntagabend um 20.30 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Herrenberg. Als Redner traten Pastor Hans Jürgen Schmidt von der evangelisch reformierten Gemeinde Bad Bentheim und Harald  Schliekert von der SPD aus Bonn ans  Mikrofon. Pastor Schmidt rief die Zuhörer auf, an die Gerechtigkeit zu glauben und sich nicht an die Ungerechtigkeiten in der Welt zu gewöhnen. Er würdigte die Haltung der Kriegsdienstverweigerer und sprach sich gegen ein Prüfverfahren des Gewissens aus. Harald Schliekert aus Bonn, der persönliche Referent des damaligen Grafschafter SPD Bundestagsabgeordneten Jan Oostergetelo, mahnte in seiner Rede vor dem Hintergrund des Krieges und der Invasion der Sowjetunion in Afghanistan vor einem Nachlassen der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Die Zuhörer dankten zum Schluss den beiden Rednern an diesem Abend mit anhaltendem Applaus.

Im Anschluss an die Kundgebung auf dem Herrenberg formierten sich dann rund 150 Friedensdemonstranten zu einem Schweigemarsch mit entzündeten Fackeln in  den Händen durch die Bad Bentheimer Innenstadt. Begleitet von einem Polizeifahrzeug und einem Ordnerdienst führte die Wegstrecke von der Schloßstraße zur Stadtmitte in die Wilhelmstraße, über die Lingerstiege und den Paulinenweg zurück durch die Kirchstraße und die Wilhelmstraße zum Marktplatz in die Stadtmitte. Hier wurde gegen 21.45 Uhr der Schweigemarsch mit Fackelzug offiziell beendet. Anschließend nahmen noch etliche Demonstranten an einer interessanten Diskussionsrunde im Jugendhaus in der alten „Kaufmannschen Stadtvilla“ am Marktplatz teil. Dort konnte als Teilnehmer auch der Oberstleutnant a.D. der Bundeswehr, Hubertus Prinz zu Bentheim und Steinfurt begrüßt werden. Gegen 22.30 Uhr  endete die Abschlussdiskussion.

 Die Friedensdemonstration zum Antikriegstag 1980 in Bad Bentheim war in der Rückschau eine gute Sache für ein erweitertes Bewusstsein für den Frieden. Gleichwohl unterliegt die Zeitgeschichte in Europa neben dem stetigen Wandel politischer Veränderungen immer wieder kriegerischen Auseinandersetzungen oder verheerenden Angriffskriegen wie den durch Russland in der Ukraine. Freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratien sollten heute nach innen und außen gut wehrhaft aufgestellt sein.  W.H.“

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