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Der Erbe Eulenspiegels in Bad Bentheim

Bereits vor über 60 Jahren gründeten Bentheimer Jugendverbände den Stadtjugendring Bad Bentheim. Seine Aufgabe war es, als Dachorganisation gemeinsame Interessen gegenüber Stadt, Landkreis und Gesellschaft optimal vertreten und durchsetzen zu können. Es wurden Fördergelder eingefordert, bewilligt und in Selbstverwaltung an die angeschlossenen Vereine und Gruppen, darunter die Jugendabteilungen der Sportvereine und konfessionelle Jugendgruppen, verteilt. Daneben organisierten die wechselnden Vorstände vereinsübergreifende Veranstaltungen. Das waren beispielsweise Podiumsdiskussionen zu jugendaktuellen Fragen und vor Kommunalwahlen, politische Bildungsreisen in die DDR, Protestaktionen wie hier im Oktober-Blog von Wilhelm Hagerott beschrieben, Rockfestivals oder der Einsatz für ein Jugendzentrum. Ab Mitte der 1980er-Jahre erweiterte der SJR das Veranstaltungsangebot für Bentheimer Kinder und Jugendliche in einem Ausmaß, dass die Stadt Bad Bentheim ab 1991 eine hauptamtliche Stelle als Stadtjugendpflege einrichten musste, um das Programm fortsetzen zu können. Es ging um Angebote wie den 1986 eingeführten Ferienpass, die Stadtranderholung, jährliche Fahrten in die DDR, Kindertheaterreihen, Jugendkulturfeste auf dem Herrenberg, Filmvorführungen und jugendkulturelle Angebote wie zum Beispiel Autorenlesungen. In bester Erinnerung geblieben sind mir zwei Lesungen mit Winfried Bornemann, auf die ich heute zurückblicken möchte.

Bornemann, ein Lehrer aus Georgsmarienhütte, erfreute sich in den 80er-Jahren und auch später noch großer Bekanntheit und Beliebtheit in der Bundesrepublik. Seine Bücher tauchten regelmäßig in den einschlägigen Bestsellerlisten auf, Zeitungsartikel zu seinen neuesten Realsatiren sorgten landauf und landab für beste Unterhaltung, es gab sogar eine Fernsehserie. Auch der Vorstand des Stadtjugendrings lachte über seine Realsatiren und wollte ihn unbedingt nach Bad Bentheim holen. Vermutlich habe ich seinerzeit telefonisch Kontakt aufgenommen, ihn eingeladen und den Termin und die Gage vereinbart. Jedenfalls entstieg am 20. Februar 1986 ein freundlicher, vollbärtiger Herr mittleren Alters seinem Volvo und nahm an einem Tisch, der mit meiner Schreibtischlampe und einem Glas Wasser vorbereitet war, auf der Bühne des Gemeindehauses der altreformierten Kirchengemeinde in der Heerestraße Platz. Viele Interessierte waren gekommen. Es hatte sich bis Bentheim herumgesprochen, dass Bornemann Briefe an Prominente, Firmen und Behörden schreibt und diese sich in ihren Antworten fast ausnahmslos als naive, habgierige und/oder besonders dämliche Zeitgenossen entpuppen. Einige Beispiele:

  • Der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie bot er zur Markteinführung ein Operationsbesteck für Camping und Freizeit an, da er als Hobbychirurg damit bereits seine Freunde und Bekannten den Blinddarm oder die Gallenblase entfernt hätte.
  • Dem Anglerverband empfahl er, in trübem Wasser Glühwürmchen an den Haken zu nehmen.
  • Unter dem Pseudonym „Gyselda von große Tytten“ fragte er beim Papst an, ob er sich denn schon einmal Gedanken darüber gemacht hätte, dass er heute, wäre er in Saudi-Arabien geboren, ein führender Mueszzin wäre. Bornemann erhielt schriftlich den Apostolischen Segen.
  • Der EG-Kommission bot er seine gezüchtete „Bonsai-Kuh“ an, mit der er helfen wolle, den Butterberg abzubauen.

Zwei Jahre nach seinem ersten Gastspiel konnten wir Bornemann erneut in Bentheim begrüßen. Am 4. Februar 1988 war im ehemaligen reformierten Gemeindehaus in der Kirchstraße, heute Treff 10, der Tisch mit obligatorischer Schreibtischlampe und Wasserglas vorbereitet. Bornemann präsentierte unter anderem sein Buch „Fehlanzeigen – Verrückte Inserate, starke Antworten“. Auch hier einige Beispiele:

  • Bundesminister sucht Brieffreundin, die auch Interesse an Politik hat. Chiffre…
  • Argumente gegen die 35-Stunden-Woche von Unternehmer gesucht. Chiffre…
  • Frührentner lobt ihre ärztliche Kunst in ihrem Wartezimmer gegen Honorar (Deutsches Ärzteblatt 17.2.86)

Fast unglaublich sind die teils bierernsten Antworten. Dem Publikum gefiel es damals! Neugierig geworden? Die Bücher gibt es noch antiquarisch zum Beispiel über die einschlägigen Adressen wie booklooker, medimops usw. für kleines Geld zu kaufen.

Bei der Lesung im Februar 1988 stellte der „Till Eulenspiegel der Literatur“ (Die Zeit) seine frisch erschienene Sammlung von Briefen unter dem Titel „Glanz & Gloria – Eine Brief-Aktion mit internationalen Prominenten“ vor: Als alte Dame von Adel unter den Namen „Carola von Gästern“ alias „Gerda von Nussink“ (engl. nothing) schrieb Bornemann zig Prominente aus aller Welt an und bat sie, ihr Alleinerbe zu werden. Man mag es kaum glauben, aber Hundertschaften von Prominenten beißen darauf an und antworten ernsthaft. Die alte Dame hat ja auch so liebevoll ihr Erbe angeboten: „….. Es wäre eine große Freude, wenn Sie diese Erbschaft (ein beträchtliches Vermögen) nach meinem Ableben annähmen. Ich hoffe sehr, daß es Ihnen mit dieser Hilfe möglich sein wird, Ihr bedeutendes Werk noch intensiver fortzusetzen. Ihre ergebene G.v. Nussink.“ Einige Antworten:

  • Ihre Großzügigkeit….ist erstaunlich, aber falls dies ihr Wunsch ist und Sie sicher sind, daß dies ist, was sie wollen, wäre es mir ein Vergnügen und eine Ehre zu akzeptieren. (Liza Minelli)
  • Was halten Sie von der Idee, wenn mein persönlicher Vertreter Sie in der Zwischenzeit besuchte, um mit Ihnen über Ihre Vorstellungen zu sprechen? (George Harrison)
  • Ich reise sehr viel, und es könnte sein, daß wir uns persönlich treffen können. Sie sind schon jetzt ein Teil des täglichen Gebetes von mir und meiner Frau Shirley geworden. (Pat Boone)
  • Ich verehre Sie und ich akzeptiere alles, denn ich habe ein große Familie (Marlene Dietrich)
  • …setze Sie davon in Kenntnis, daß ich entsprechend den heute…gültigen Gesetzen akzeptiere, Ihr Universalerbe zu werden. (Alain Delon in seinem dritten Brief an Gerda von Nussink)
  • …Vielleicht geben Sie mir Ihre Telefonnummer, damit wir dies im Detail besprechen können… (Idi Amin)

Mit etlichen gierigen Promis entwickelte sich eine rege Korrespondenz. Allerdings kamen einige „Erben“ dem Urheber auf die Schliche: Andre Heller antwortete, auf ihm lastete schon das ganze österreichische Kulturerbe, da könne er kein zweites dazunehmen. Und Udo Lindenberg erklärte, Geld mache nicht glücklich, und er sei schon unglücklich genug.

Glücklich war an beiden Abenden das Publikum und zufrieden war auch der Stadtjugendring seinerzeit mit der guten Resonanz auf diese Angebote. Ob sich dafür auch heute noch ein Publikum finden würde?

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Erhalten und Ergänzen (Wohnraumentwicklung in Bad Bentheim Teil III)

Im ersten Teil dieser kleinen und selbstverständlich unvollständigen Blogserie sind einige Neubauprojekte auf innerstädtischen Brachflächen abgebildet.  Teil II beschäftigt sich mit dem häufig notwendigen  Abriss maroder Bausubtanz. Und in diesem dritten Teil möchte ich einige wenige, dafür um so mehr gelungene Projekte aus der Stadt und aus Nachbarorten vorstellen, in denen vorhandene und erhaltenswerte Bausubstanz saniert und um Neubauten ergänzt wurden.

Gebäude erhalten, sanieren und um Anbauten oder angrenzende Neubauten ergänzen: In jeder beliebigen Ortschaft und an jeder Ecke sehen wir  Beispiele. Die Ergebnisse sind nur allzu häufig ernüchternd. Ganz im Sinne des im Teil II beschriebenen Pragmatismus wünscht man sich, es wäre Zeit für etwas Neues gewesen. Aber auf Negativbeispiele möchte ich hier zugunsten der angesprochenen Positivbeispiele verzichten.

Sehr gelungen  ist aus meiner Sicht der An- und Neubau des Gemeindehauses an der Altreformierten Kirche im Bereich Heeresstraße/Gildehauser Straße.  Der funktionale Anbau ist in diesem Fall dem Altbau hinsichtlich der Architektur und des Materials so gut gelungen, dass der Neubau als solches kaum wahrnehmbar ist. Schlichtheit ist hier angesagt. Und die Verwendung des Sandsteins im Außenbereich bereichert das  Projekt zusätzlich.

20170312_123612GemHaus

Zweites Beispiel: In unmittelbarer Nähe zum Annaheim wurde ein  Wohnhaus neu erbaut, und zwar deutlich in aktueller, zeitgemäßer Architektur. Der Versuch, an dieser Stelle im Stile des Annaheims historisierend zu bauen, wäre albern gewesen, meine ich. Sehr gelungen präsentieren sich so das alte Annaheim und der Neubau.

20160410_134610Annaheim

Und das gilt erst recht für das dritte Beispiel. Jahrzehnte gammelte die alte Villa in Nordhorn an der Bentheimer Straße vor sich hin, bevor in den vergangenen Jahren Wohn- und Geschäftsgebäude direkt angebaut wurden. Und auch hier hat sich der Mut der Inhaber und Architekten aus meiner Sicht ausgezahlt.Mich begeistert jedenfalls diese Lösung.

20151106_165429Villa

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Und genau diesen Mut würde ich mir häufiger auch in Bentheim wünschen, um die Stadt durch den Erhalt erhaltenswerter alter Bausubstanz und Neubauten aufzuwerten. Bürgerengagement durch Inhaber und Bürgerschaft hierfür ist häufig vorhanden wie auch die dringend erforderliche fachliche Beratung. Und Mut und Entscheidungsfreude? Postitiv gedacht können wir festhalten, dass es in den letzten Jahren immerhin eine ganze Reihe gelungener Sanierungen in unserer Stadt gab. Einige Beispiele folgen in Teil IV. Demnächst in diesem Blog.

 

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Eine außergewöhnliche Ausstellung

„Die Radierwerkstatt lädt ein“, unter dieser Überschrift war am 8. Januar hier im Blog die Rede von der 12. Radierwerkstatt im Haus Westerhoff. Viele Kinder und auch etliche kreative Erwachsene haben in den vergangenen Monaten ihr Talent bewiesen und unter den Fittichen von Stefi Mann  ganz persönliche Meisterwerke geschaffen. Zahlreiche der ausnahmslos gelungenen Ergebnisse sind jetzt in einer Ausstellung, die am Freitag in besonders ansprechender und herzlicher Form eröffnet wurde, bis zum 1. April im außergewöhnlichen Ambiente des Künstlerhauses in der Heeresstraße zu sehen.

 

Der Ausstellung wünsche ich bis zum 1. April viele interessierte Besucher. Zeiten: Donnerstags von 15.00 – 18.00 Uhr, Samstags von 14.00 bis 18.00 Uhr und Sonntags von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

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Die Radierwerkstatt lädt ein

Die alljährliche Radierwerkstatt im Haus Westerhoff, Heeresstraße, erfreut sich großer Beliebtheit. Zurecht! Stefi Man gelingt es immer wieder, Kinder und auch manche Erwachsene für das kreative Arbeiten mit Radiernadeln und Tetrapacks, mit Farben und mit der Handpresse zu begeistern und zum gelungenen Ergebnis zu begleiten. Hier zwei Beispiele aus Radierwerkstätten der vergangenen Jahre:

Zum gelungenen Event für alle Beteiligten, vor allen Dingen für die stolzen Kinder und deren Eltern, wird dann die Präsentation der Ergebnisse in einer Ausstellung, die in diesem Jahr am 2. März um 19 Uhr eröffnet wird. Viele neue Werke der Bentheimer Künstlerinnen und Künstler werden dann in gerahmter Form in den urigen Räumen des Hauses Westerhoff zu sehen sein.

Die Radierwerkstatt ist immer Donnerstags (15 – 18 Uhr), Samstags (14 – 18 Uhr) und Sonntags (11 – 18 Uhr) für alle Interessierten geöffnet. Wie gesagt: Mitmachen lohnt sich und die Stippvisite beim Wochenendspaziergang ebenfalls.

 

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