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Zukunft Radverkehr! Gilt das auch für Bad Bentheim?

„Ein vergleichsweise gutes Rad- und Gehwegenetz ist bereits vorhanden. Es sind aber punktuelle Verbesserungen möglich und sinnvoll“, lesen wir in der Fortschreibung des „Stadtentwicklungskonzeptes Bad Bentheim 2035“ aus dem Jahr 2019. Und in den konkreten Zielen und Maßnahmen wird als Leuchtturmprojekt ein neu zu erstellendes Radwegekonzept aufgeführt. In der Tat wurden in den vergangenen Jahren einige wichtige Projekte für den verbesserten Radverkehr in unserer Stadt in Angriff genommen. Dazu gehört an erster Stelle der überfällige Ausbau der Gildehauser Straße zwischen Tennishalle und Tonino. Und auch für den immer wichtiger werdenden Radtourismus wurde beispielsweise mit der Einführung des Knotenpunktsystems die Basis verbessert.

Und das vom Stadtrat im Stadtentwicklungskonzept angeforderte Radwegekonzept? Es liegt jetzt vor, wird in der kommenden Woche präsentiert und lässt aus meiner Sicht auf 61 Seiten und mit 231 konkreten Maßnahmenvorschlägen wenige Fragen offen. Auf der Grundlage von Bestandserhebungen mit Analysen beispielsweise zum Unfallgeschehen, Verkehrszählungen und Bürgerbefragungen werden Handlungsbedarfe definiert. Es werden insgesamt 5 Pendlerrouten herausgearbeitet, dazu Basisrouten für den Schüler- und Einkaufsverkehr und ein Verdichtungsnetz zur Abrundung des Gesamtnetzes. Dazu werden die notwendigen Verbesserungen in der Infrastruktur von den Abstellanlagen bis zur Wegweisung genannt. Schon bei der ersten Sichtung lässt sich feststellen, dass die Einbindung des Planungsbüros VAR+ aus Darmstadt eine gute Wahl war und nunmehr eine Top-Basis für die Arbeit in den nächsten Jahren vorliegt.

Denn mit qualifizierten Konzepten allein kommt man nicht weiter, die Umsetzung muss in sichtbaren Teilschritten unverzüglich folgen! Die Verkehrswende, in der der Radverkehr eine nicht geringe Rolle spielen soll, muss gerade an der Basis, in den Kommunen vorankommen. Elektromobilität, ÖPNV mit reaktiviertem Schienenverkehr und eben das Radfahren sind dabei wichtige Elemente.

Nicht wenige Radaktivisten träumen auch in der Grafschaft von Radschnellwegen, wie sie an anderen Orten vorbildlich geschaffen wurden. Zwei wesentliche Hindernisse, oder sagen wir lieber „Herausforderungen“, sehe ich dabei:

  • Viele Radschnellwege verlaufen auf ehemaligen Bahntrassen. So zum Beispiel zwischen Ochtrup und Wettringen. Diese Strecke habe ich vergangene Woche mit Freunden befahren (siehe Foto) und wir waren davon sehr angetan. Wir verfügen in Bentheim zwar über eine geeignete Bahntrasse, nämlich zwischen Bahnhof Nord und Munitionsdepot. Diese wird aber hoffentlich im Verlauf der Verkehrswende noch eine wichtige Rolle spielen, nämlich als Strecke zur Anbindung des Bentheimer und Grafschafter Bahnnetzes an das Netz in NRW. Nach der Reaktivierung der Strecke Neuenhaus – Coevorden wird dieses Projekt hoffentlich endlich die volle Aufmerksamkeit der Politik, Verwaltung und Unternehmen finden. Eine Bahntrasse steht also nicht zur Verfügung und so müssen bei der Umsetzung von Pendlerstrecken realistischerweise Abstriche an den Qualitätsstandard „Fahrradschnellweg“ gemacht werden.
  • Der Ausbau der Radinfrastruktur wird teuer. Fördermittel müssen hierzu eingesetzt werden. Das wird einmal Zeit in Anspruch nehmen und vor allen Dingen stehen diese Verkehrsprojekte neben den herausfordernden Bildungs- und Sportprojekten in unserer Stadt. Schulneubauten bzw. Schulerweiterungen und Sporthallenbau sind die Stichworte. Der Stadtrat wird weiterhin Prioritätenlisten führen und Verkehrsprojekte im Sinne des Radverkehrskonzeptes einbauen müssen, wenn es nicht bei Absichtserklärungen bleiben soll. Respekt für unsere ehrenamtlichen Stadtratspolitiker, die viel Zeit, Kompetenzen und oft auch Geduld in diese Arbeit investieren. Und ob die Stadtverwaltung den Maßnahmenkatalog personell umsetzen kann?

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