„Alt werden will jeder, älter werden niemand“ oder: Freitags im Supermarkt

Gestern und an den Freitagen zuvor habe ich  Klaus, Günter und Heinz getroffen. Mehr oder weniger zufällig.Denn man trifft sich häufiger Freitag nachmittags mit dem Einkaufswagen an der Hand, mit konzentriertem Blick auf Einkaufszettel und Regale und meistens  gut gelaunt.  Gemeinsam ist uns, dass wir nicht nur für uns einkaufen, sondern gleichzeitig für unsere Eltern oder Mütter, die dies gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt selbstständig erledigen können. Was sonst überwiegend von den Töchtern oder Schwiegertöchtern geleistet wird, nämlich Hilfe und Pflege in der Familie, wird Freitags dann im Combi  oder Aldi öffentlich, wenn „Männer in den besten Jahren“ den Eltern behilflich sind. Meine Prognose: wir werden in Zukunft auch noch Jan, Willi, Bernd, Reinhold und wie sie alle heißen mögen bei Einkäufen und ähnlichen Gelegenheiten treffen. Grund: die  Baby-Boomer Generation wird älter, entsprechend auch deren Elterngeneration.  Auch in Bentheim gibt es so viele Senioren wie nie zuvor.

Daraus erwachsen Aufgaben. Aus meiner Sicht war es daher ein richtiger Schritt, dass sich der  3. Familienbericht der Stadt Bad Bentheim den Seniorenthemen widmet. Kürzlich wurde dieser ausführliche und aus meiner Sicht  wegweisende Bericht von der Autorin Friederike Orth im Sozialausschuss der Stadt vorgestellt.  Die nähere Beschäftigung  lohnt sich. Und zwar  nicht nur unter sozialpädagogischen und kommunalpolitischen Gesichtspunkten.  „Alt werden will jeder, älter werden niemand“  ist ein altes Sprichwort. Alt werden in Bentheim ist nun einmal ein Thema, das uns sowohl als Kinder  als auch als künftige Senioren betrifft.

„In vielen Punkten haben Familien mit kleinen Kindern und ältere Menschen ähnliche Interessen: Sicherheit im Straßenverkehr, öffentlicher Nahverkehr und Grünflächen mit Bewegungsangeboten…“ heißt es im Familienbericht.  Ein Grund mehr, sich in diesen Bereichen für Verbesserungen einzusetzen. Bei Sicherheit im Straßenverkehr fallen mir die neuen Fußgängerampeln ein, die für Schulkinder und Senioren wichtig sind. Zum Beispiel an der Kreuzung Funkenstiege oder auch bereits lange vorher die Dunkelampel an der Südstraße.

Der öffentliche Nahverkehr ist doch in der Realität bei uns eher auf den Schülertransport reduziert. Der neue Bäderbus wurde im Winterhalbjahr auch von Senioren genutzt, die so beispielsweise aus dem Süden der Stadt zum Arzt am Bad kommen konnten. Es ist aus meiner Sicht daher eine sehr gut Idee, über die Einführung eines Bürgerbusses nachzudenken. Kommerziell trägt sich ein erweiterter  Nahverkehr sicher nicht und ein Bürgerbussystem, das sich wesentlich durch ehrenamtliches Engagement trägt,  könnte ein wertvolles Angebot werden. Auch die Anbindung von Gildehaus an die Stadt gehört dazu. Denken wir nur an den aktuellen Ärztemangel in Gildehaus und  an die in Bentheim ansässigen Fachärzte, die natürlich auch von Gildehauser Senioren in Anspruch genommen werden. Das Thema „Bürgerbus“ muss einfach in der Diskussion bleiben!

Das Seniorenwohnen wird bereits offen diskutiert. Auf die Forderung nach mehr seniorengerechtem Wohnraum wird viel zu oft auf die betreuten Wohnformen verwiesen. In der Tat verfügen wir über viele, eventuell ausreichend Altersheim- und Pflegeplätze. Gut zu wissen, dass es diese Plätze am Ort gibt. Aber was ist mit den Senioren, die glücklicherweise viele Jahre fit bleiben und hoffentlich auch nie einen Heimplatz benötigen werden? Die gleichzeitig ihr Einfamilienhaus mit Garten und allem drum und dran nicht mehr in Schuss halten wollen oder können und nach Alternativen suchen? Für diese wachsende Zahl von Bentheimern braucht es mehr geeigneten Wohnraum. Mehr Miet- und Eigentumswohnungen sind gefragt. Bezahlbar müssen sie sein, denn nicht nur die gut versorgten Pensionäre benötigen diese Wohnungen, sondern auch viele Rentner mit kleinen oder mit Witwenrenten. Und die möglichst zentrale Lage der Wohnungen ist von Bedeutung, in Bentheim ganz speziell. Die neuen Mehrfamilienhäuser des Bauvereins im Bereich der Schüttorfer Straße sind ein sehr gutes Beispiel.  Auch dieses Thema muss weiter verfolgt werden.

Und das betrifft auch einen weiteren Bereich, nämlich das Freizeitangebot für Senioren.  Einerseits gilt es,  Senioren die Zugangsmöglichkeit zu den vielen guten Angeboten in Bentheim zu erhalten. Andererseits suchen ältere Leute auch spezielle Angebote. Ehrenamtlich wird in diesem Bereich viel geleistet. Ich denke an die Angebote, die beispielsweise der Sozialverband regelmäßig macht und an die Aktivitäten in den Kirchengemeinden und bei den Wohlfahrtsverbänden. Diese Angebote zu unterstützen, sie bekannter zu machen und den Senioren zugänglich zu machen (hier sind wir wieder beim Bürgerbus), das sind wichtige Aufgaben. Auch die Betreuer und Organisatoren dieser Freizeitangebote verdienen Unterstützung. Einsamkeit im Alter darf zumindest in einer überschaubaren Kleinstadt kein Thema sein, finde ich.

Die ärztliche Versorgung am Ort, Pflegedienste und andere Themen des Familienberichts sollten für hoffentlich viele interessierte Bürger nachlesbar sein, weil sie wichtig sind und uns und unsere Familien betreffen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Familienbericht bald auf der Homepage der Stadt veröffentlicht wird. Die angesprochenen Themen werden uns sicher weiter beschäftigen. Im Gespräch,  im Ehrenamt und auch an dieser Stelle.

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