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Erinnerungskultur und kulturelle Vielfalt

„Kulturelle Vielfalt“ wünscht sich wohl jede Region und jeder Ort. In Metropolen, Groß- und Mittelstädten ist sie eine Selbestverständlichkeit, gleichwohl haben kleinere Orte mindestens in unserer Gegend die Bedeutung eines lebendigen kulturellen Lebens erkannt. Ein breites Angebot, häufig ehrenamtlich oder halbprofessionell, ist entstanden. Jeder in der Grafschaft kennt die renommierten Veranstaltungen und Angebote in Bad Bentheim wie die Freilichtbühne, Kulisse, mehrere Museen in der Stadt, natürlich die Musikakademie, Jazzkonzerte und Poetry Slam im Treff 10, Chorkonzerte, Filmclub und vieles mehr. Aus meiner Sicht waren die ganz neuen oder noch jungen Veranstaltungsformate während dieses Sommers im positiven Sinne bemerkenswert: Picknickjazzkonzerte am neuen Springbrunnen im Schlosspark, Poetry Slam ebenfalls an diesem schönen Ort und Konzerte am Kurhaus. Und sogar der Wochenmarkt wurde mit Musik -und Wein- bereichert. Toll auch der kommunikative Charakter dieser Angebote, die zudem kostenlos zu besuchen waren. Das sind gute Aussichten für die nächsten Jahre, sofern es gelingt, diese und weitere kulturelle Veranstaltungen in der Stadt zu erhalten und weiter zu entwickeln. Möglicherweise spielt dann endlich die Freilichtbühne als einmalig schöner Veranstaltungsort eine größere Rolle. Spielplan und Gastspiele lassen genug Raum für das Bespielen dieses Ortes mit Alleinstellungsmerkmal. Der neu gestaltete Prinzessinnengarten auf der Burg, ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, ist mit neuen Veranstaltungen ein positives Beispiel!

Eine herausragende Bereicherung ist das neue Literaturfestival „Wieder Worte“, das die Emsländische Landschaft zusammen mit den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim zur Zeit an vielen Orten in der Region durchführt. Divers in vielerlei Hinsicht, von den Zielgruppen bis zu den sorgfältig ausgewählten Veranstaltungsorten, wird das Festival hoffentlich für inspirierende Literaturerlebnisse sorgen. Auf der Webseite http://www.wiederworte.net kann man sich ausführlich informieren.

Beeindruckend war Samstagabend eine Lesung mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Eva-Maria Thüne in der Aula des Burggymnasiums. „Nur ein Koffer voller Heimat“ – Der Kindertransport 1938/39 war Thema ihres Berichts, der auf Interviews beruhte, die Prof. Thüne im Jahre 2017 mit Zeitzeugen, also den Kindern von 1938/39, führen konnte, die dem Nazi-Terror durch die Kindertransporte in den Westen, vornehmlich nach Großbritanien, entkommen konnten. Die mittlerweile betagten Geretteten beschrieben ihre Erinnerungen an Eltern und Geschwister, die sie nie wieder sahen, an die dramatische Reise und von ihrem Leben unter den Vorzeichen von Trauma und Rettung.

Die Züge gen Westen passierten den Grenzbahnhof Bentheim, wo sie letztmalig vor ihrer Rettung drangsaliert, schikaniert und ausgeraubt wurden. Es ist aus meiner Sicht sehr positiv, dass in letzter Zeit dank privaten Engagements besonders durch Herrn Wilhelm Hoon, an diese Begebenheiten und das Schicksal der Kinder und ihrer Familien erinnert wird. Ich finde es auch an der Zeit und begrüßenswert, dass die Bentheimer Eisenbahn diesen Aspekt ihrer Geschichte und die des Bentheimer Bahnhofs aufarbeitet und ein Erinnerungsort geschaffen werden soll.

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Es fährt ein Zug nach …..Gronau.

Ist der Flughafen Münster Osnabrück (FMO) unverzichtbar für die Verkehrsinfrastruktur der Region? Der Kreistag hat sich Donnerstagnachmittag mit dieser Frage beschäftigt und mehrheitlich mit „Ja“ beantwortet. Damit wurde durch den Mitgesellschafter Landkreis Grafschaft Bentheim eine weitere Kapitalzuführung mit einem fast schon symbolischen Betrag von 46.000 € zugestimmt. Tatsächlich wird auch nach Corona der chronisch klamme Flughafen für private und geschäftliche Fluggäste und für den Frachtverkehr ein Baustein im regionalen Mobilitätsangebot sein. Wird das von Dauer sein?

Der Ausbau des Schienenverkehrs in der Grafschaft und anderswo ist mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar wesentlich bedeutsamer! Unsere Regionalbahn entwickelt sich gut. Während des Wintereinbruchs habe ich beispielsweise den Zug nach Nordhorn -und zurück 😉- schätzen gelernt. Die Verlängerung über Emlichheim in die Niederlande ist ein logischer nächster Schritt.

Am 25. Juli 2020  habe ich hier in meinem Blog bereits einmal zum Ausbau der Regionalbahn geschrieben:“Bad Bentheim: Ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für den Schienenverkehr in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!“. Es ging hauptsächlich um die Historie der Strecke Bentheim-Gronau – und um die Zukunftsperspektive für diese Strecke. Ich werte es als sehr gutes Zeichen, dass die Wiederinbetriebnahme dieser Strecke nicht nur in der öffentlichen Diskussion immer häufiger auftaucht, sondern auch Politik, Gebietskörperschaften und Verwaltungen in diesem Sinne aktiv werden. Eine Machbarkeitsstudie wurde im vergangenen Herbst in Auftrag gegeben, schreibt die Bentheimer Eisenbahn auf ihrer Homepage und löste damit ein breites Medienecho aus. Besonders in NRW gibt es kräftige Bestrebungen zur Stärkung der Schiene im Münsterland. Eigentlich kann es keine Zweifel geben: Eine Reaktivierung der Strecke Bentheim – Gronau und damit eine durchgehende Verbindung von Coevorden über Nordhorn und Bentheim nach Gronau und damit in das NRW und NL-Schienennetz wird  erfolgreich sein. Beispiele: Mobilitätsvorteile in alle Richtungen für Arbeitnehmer, Studenten und Touristen in der Grafschaft, den Kreisen Borken, Steinfurt und der Twente, verbesserte Anbindung der Grafschaft an den Raum Münster und Ruhrgebiet/Rheinland und umgekehrt, Stärkung der Schiene und Verlagerung des Personen- und Warenverkehrs von der Straße auf die Schiene und damit die gewünschte  Stärkung des Schienenverkehrs insgesamt, also ökologische und ökonomische Vorteile. Es gäbe nur Gewinner bei diesem Projekt!

Um auf die Eingangsfrage im Zusammenhang mit einem Regionalflughafen FMO zurückzukommen: Nicht nur mein persönlicher Regionalflughafen ist der Internationale Flughafen Düsseldorf, der mit dem PKW in ca. 70 Minuten ab Bad Bentheim zu erreichen ist. Eine Bahnverbindung, die nicht über Münster, sondern über Gronau in Richtung Rheinland führt ist zwar nicht unbedingt schneller, aber die bequemere und ökologisch sinnvollere Variante. Dies gilt umso mehr, als das innerdeutsche Zubringerflüge mit einem Start in Düsseldorf verzichtbar sind.

Und am Rande, aber nicht ganz unwichtig: Weitere Haltestellen der Regionalbahn im Stadtgebiet  wie zum Beispiel in Gildehaus und eventuell sogar am Ferienpark (Foto) sorgen dafür, dass der Wagen im Carport bleibt. Nicht immer, aber immer häufiger.

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Hurra, wir werden weltberühmt!

Okay, vielleicht nicht so ganz. Aber etwas Ruhm könnte dabei für uns auch herauskommen. Nämlich von der Verwandtschaft zu einem künftigen Weltkulturerbe.

Gemeint ist die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus in Hamburg. Seit etlichen Jahren wird mit großem Aufwand an diesem Welterbeprojekt mit  universellem Wert gearbeitet. 2014 soll der Antrag dem Welterbekomitee vorgelegt werden. Und wenn es dann tatsächlich geklappt hat mit der Anerkennung, dann freuen wir uns nicht nur für Hamburg, denn bereits eine Nominierung ist mit handfesten Vorteilen für den Tourismus und damit für Arbeitsplätze verbunden. Auch für uns wird das ein Grund zur Freude sein.

Und damit kommen wir zu unseren Verwandtschaftsverhältnissen, die in der Arbeit des Baumeisters Fritz Höger (1877 – 1949) begründet sind. Der Baumeister und Architekt baute nicht nur das fantastische Bauwerk Chilehaus, das jetzt Teil des Weltkulturerbeantrags ist, in Form eines großen, steinernen Schiffes ganz in der Nähe der Speicherstadt und des historischen Hafens. Höger war auch verantwortlich für Bauten in zahlreichen anderen Städten, darunter Berlin, Meppen und…..Bentheim. Sein „norddeutscher Backsteinexpressionismus“ findet auch Ausdruck am Verwaltungsgebäude der Bentheimer Eisenbahn am Bahnhof sowie an unserem Rathaus in der Innenstadt. Beide Högerbauten mit den typischen Backsteinen und gedrehten Ziegeln können ihre Verwandschaft mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus wahrlich nicht verheimlichen. Die drei aktuellen Fotos zeigen, dass Höger tatsächlich seinen Stil durchzog, unverkennbar, unverwechselbar:

P1000059P1000192P1000191Was sollen wir  dann anfangen mit unserem  Ruhm als direkter Verwandter eines Weltkulturerbes? Sicher, das „Bentheimer Gold“ als hiesiger typischer Baustoff wird weiter im Vordergrund stehen. Das sollte uns jedoch nicht davon abhalten, Högers expressionistischen Baustil mit gebrannten Backsteinen  stärker hervorzuheben. Dazu gehört es, das Bewusstsein zu schärfen für diese außergewöhnliche Architektur am Beispiel der beiden Bentheimer Gebäude in Verbindung mit dem Weltkulturerbe Kontorhausviertel und dem Werk Högers. Die Stadt Meppen macht es vor. Dort wird mit dem „sehr interessanten Högerhaus“ geworben. Das können wir besser machen mit guten Hinweistafeln (am BEB-Gebäude finden wir bereits etwas versteckt etwas zur Historie) am BEB-Gebäude und Rathaus, mit publizistischer Arbeit und Veröffentlichungen in Werbematerialien und Publikationen und bei thematisch entsprechend ausgerichteten Stadtführungen für ein interessiertes Publikum. Die Gebäude sind mit stadtbildprägende, bemerkenswerte und erhaltenswerte (!) Gebäude. Letztgenannter Punkt ist neben einer verbesserten Vermarktung der Architektur Högers in der Stadt Bad Bentheim eine weitere Verpflichtung an Rat und Verwaltung: beide Gebäude müssen erhalten werden! Die neue, langfristig geplante Nutzung durch die RWE ist dabei überaus hilfreich. Und um das Rathaus werden wir uns auch unten den in diesem Blog genannten Aspekten beschäftigen müssen.  Der guten  Verwandtschaft sei gedankt!

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