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Das Wort zum (Fußball)-Wochenende

VfL WE Nordhorn : SV Bad Bentheim. Das ist an diesem Wochenende eines von zahlreichen Lokalderbys im Grafschafter Amateurfußball. Oder  wie wäre es mit TuS Gildehaus : GSV Ringe-Neugnadenfeld? Egal, ob 25 oder 250 Zuschauer kommen werden, es sind bescheidene Zuschauerkulissen im Gegensatz zu den Bundesligastadien. 62.000 werden es in der Schalker Veltins Arena sein oder vermutlich 46.000 im Hamburger Volksparkstadion beim Zweitligaknaller HSV : Jahn Regensburg.  Die Begeisterung für den Fußball ist (fast) ungebrochen.

Wer bei diesen Spielen den Glauben daran bewahren möchte, ein Spiel fange mit 0 : 0 an und es folgt ein einigermaßen fairer Wettstreit, der ist zwar bei unseren Grafschafter Lokalderbys gut aufgehoben. Auf gar keinen Fall sollte der gutgläubige Fußballfan eines oder gar beide der  folgenden Bücher lesen:

„Der Abstieg – Wie Funktionäre einen Verein ruinieren“  von Daniel Jovanov (Spiegel Online, TAZ, Die Zeit) und Tobias Escher (Spielverlagerung.de, 11 Freunde) ist erst vor zwei Wochen bei Rowohlt zum Preis von 12,99 € erschienen. Für HSVer ist das Taschenbuch eine Pflichtlektüre und den nicht wenigen HSV-Hassern geht das Herz auf. Aber Vorsicht: Wer sich bisher kaum oder gar nicht mit den Hintergründen und der Vereinspolitik beschäftigt hat oder nur die „journalistische“  Begleitung von Abendlatt, Mopo, Rautenperle & Co. kennt, der wird „seinen“ Verein künftig mit anderen Augen, nämlich wesentlich kritischer  sehen. Beleuchtet wird die Negativspirale der letzten neun Jahre seit den legendären Begegnungen gegen Werder Bremen. Vor allen Dingen der Anteil vordergründig großzügiger Investoren wie dem Logistik-Milliardär K.M.  Kühne, dessen „uneigennützigen“ Beratern Callmund und Struth und natürlich der erhebliche Anteil des aus meiner Sicht leider ungekrönten „King of Disaster“ Dietmar Beiersdorfer wird (entgegen meiner emotionalen Attribute) sachlich und ohne Polemik beschrieben. Fehlentscheidungen sportlicher Entscheidungsträger, personelle und finanzielle Entwicklungen und  eine desaströse Personalpolitik sind weitere Inhalte eines Sachbuchs, das sich wie ein Krimi in wenigen Stunden lesen lässt.

Zur Desillusionierung der Fußballanhänger hat im laufenden Jahr „Football Leaks-Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“ (Spiegel-Buch, 10,00 €) beigetragen. Der Spiegel-Reporter Rafael Buschmann, Michael Wulziger  und weitere 60 Journalisten aus ganz Europa haben die geleakten Dokumente der Enthüllungsplattform aufgearbeitet. Auch dem schon vorher misstrauischsten Fußballfan gehen die Augen über angesichts der hier offenbarten Vertrags- und Vermarktungsdetails, der Machenschaften von Spieleragenten, Vereinsbossen und Profiteuren aller Art. Wir dürfen uns bestätigt fühlen: Spitzenfußball ist hochkorrupt. Vorsicht: Die Lektüre zerstört Illusionen. Liest sich ebenfalls kurzweilig wie ein Krimi.

Mein Tipp: Wer regelmäßig Zeit und Geld für Stadionbesuche oder Sky-Abos ausgibt sollte die eher bescheidenen Kosten und den Zeitaufwand für diese Bücher nicht scheuen. Erkenntnisgewinn mit einem geschärften Sinn für die Realitäten im Profifussball ist garantiert! Garantiert ist auch der Spaß am nächsten Spiel – mindestens auf dem heimischen Fußballplatz.

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Kirchturmdenken ade!? – Eine beispielhafte Fusion

Herzlichen Glückwunsch, TC Rot-Gelb! Die am Wochenende eingeweihte neue Anlage bietet beste Voraussetzungen für den Tennissport am Ort. Am 28.12. und 24.9. habe ich hier im Blog bereits dazu geschrieben und mich auf das Projekt in Bentheims Mitte gefreut. Bemerkenswert ist für mich immer noch der Mut des TC Rot-Gelb und der Tennisabteilung des TUS Gildehaus zur Realisierung des Gesamtprojektes, aber auch zur Fusion. Das couragierte Zusammengehen der Vereine wird sich bestimmt bewähren und die Zukunft des Tennissports in Bentheim  trotz aller gegenteiligen Trends sichern. Kleinkariertes Kirchturmdenken kann man hier niemandem vorwerfen.

Bei der Gelegenheit: Kooperationen bis hin zu Fusionen dürften Zukunft haben. Die Ortsverbände des Deutschen Roten Kreuzes in Bentheim und Gildehaus haben es bereits vor Jahren vorgemacht und mit der Fusion und dem DRK-Zentrum zwischen den Ortsteilen ein Zeichen gesetzt. Die Handballer des TUS und SVB haben schon viele Jahre zuvor diesen Schritt vollzogen und den Handballsport mit der HSG in Bentheim gesichert.

Kürzlich wurde im Stadtrat von einem neuen Ratsmitglied angeregt, über eine Fusion der beiden Ortsfeuerwehren nachzudenken. Ein interessanter Vorschlag, der zudem zur mittel- und langfristigen Entlastung des städtischen Haushalts in erheblichem Maße beitragen würde. Aber: Ende der 90er-Jahre ist nach sorgfältiger Prüfung mit Gutachten der Feuerwehrinstitutionen und vielen eindeutigen Statements die zukunftsweisende Entscheidung für das Feuerwehrgebäude in Bentheim gefallen. Einsatzzeiten und somit Sicherheitsaspekte waren eindeutige Argumente für zwei Ortsfeuerwehren. Das Sparpotential sollte aus meiner Sicht Grund genug sein, diese Entscheidung zu überprüfen. Im Laufe der Jahre haben sich viele Gegebenheiten geändert, man denke nur an die städtebaulichen Entwicklungen in unserer Stadt. Eine unabhängige Prüfung könnte nicht schaden! Verwegen klingt dagegen das Gedankenspiel, über  e i n e  Ortsfeuerwehr nachzudenken, die    gegebenenfalls über z w e i  Standorte verfügt 😉

Und wo gibt es weitere Chancen für Fusionen? Ich bin sicher, dass weitere Vereine allein schon aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus über neue Kooperationen nachdenken. Der demografische Wandel wird es möglich machen und die Fusionspläne werden an der Stadtgrenze nicht Halt machen. Die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und darüber hinaus zwischen Landkreisen und über Ländergrenzen hinweg eröffnet neue Perspektiven. Wachstumschancen und Einsparpotentiale locken beispielsweise in der Tourismusbranche und mit Sicherheit im Gesundheitswesen. Verantwortliche in Verwaltungen und Politik, natürlich in Unternehmen, Organisationen und Einrichtungen haben das längst erkannt und arbeiten im Spannungsfeld  der gegensätzlichen Interessen und Lobbyisten. Und natürlich macht die Entwicklung vor der schönsten Nebensache der Welt nicht Halt. Die Diskussion um einen FC Grafschaft im Fußballleistungsbereich macht es deutlich.

Konflikte bleiben mit Sicherheit nicht aus: Einsparpotentiale,  gewachsene Identitäten und soziale Zusammenhänge, Aktionismus und Kirchturmdenken sind Stichworte dafür. Gute Voraussetzungen für spannende Diskussionen…. und für sinnvolle Weiterentwicklungen und Veränderungen (wenn man sie denn wünscht).

Und hier noch ein Kommentar zum Zitat der Woche (nein des Monats, Jahres…): „Die Nachwelt ficht dem Mimen keine Kränze“, lesen wir am Samstag in den Grafschafter Nachrichten  im Zusammenhang mit der Ruisdalausstellung. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, wäre aus meiner Sicht  die passende, aber fehlende Ergänzung.

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